Katharina Schulze

Fraktionsvorsitzende

Meinung

Wir müssen gemeinsam die Corona-Verschwörungsmythen bekämpfen

8. Mai 2020 in Im Parlament | 18 Kommentare

Am Anfang habe ich nur müde den Kopf geschüttelt, dann mich geärgert und mittlerweile frage ich mich: Was ist da kaputt? Ich lese und höre in letzter Zeit immer wieder; dass es eine „Machtübernahme des Gesundheits- und Pharmakonzernministeriums!!!!“ gibt, eine „Gleichschaltung der Presse“ bestünde und dass wir unter einem „Notstands-Regime!!!“ leben würden. Das Parlament habe angeblich seiner eigenen Entmachtung zugestimmt – und wir würden jetzt in einer „Virus-Diktatur“ leben. Krude Thesen, die falsch sind.

Wir leben in einer Demokratie

Um mal eines klarzustellen: Wir leben in Deutschland in einer Demokratie, unsere Parlamente arbeiten und erfüllen ihre parlamentarische Kontrollfunktion. Ich habe da interne Quellen, ich bin nämlich Landtagsabgeordnete und saß erst diese Woche wieder im Maximilianeum und habe über Anträge und Gesetze abgestimmt.

Unsere Presse ist weiterhin frei und niemand hat das Recht sie körperlich oder verbal anzugreifen, wie erst bei einer Demo in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen diese Woche wieder passiert. Verharmlosungen der Verbrechen des NS-Regimes durch Vergleiche mit dem Nationalsozialismus und dem Gerede von einer „Corona-Diktatur“ oder gar „Corona-Faschismus“ verbieten sich – ich finde das 75 Jahre nach Kriegsende unmöglich.

Ich frage mich, wie es dazu kommen konnte, dass ich solche Selbstverständlichkeiten schreiben muss. Aber die Zeiten sind ernst – und Verschwörungsmythen nehmen immer mehr zu.  – Katharina Schulze

Unsichere Zeiten begünstigen Verschwörungsmythen

Jetzt mag man einwenden, dass es solche Verschwörungsmythen doch schon immer gab. Das ist richtig. In einfachen und allerklärenden Mustern suchten Menschen Orientierung und Halt. In unsicheren Zeiten haben diese Mythen natürlich erst recht Hochkonjunktur. Und jetzt ist eine unsichere Zeit: Wir haben eine Pandemie, unser Leben hat sich stark verändert, wir wissen vieles noch nicht über das Virus.

Unsicherheiten auszuhalten fällt vielen Menschen schwer und ist auch nicht leicht. Vermeintlich einfache Antworten und Erklärungen, die die eigene Weltsicht bestätigen, helfen bei der Strukturierung, geben Orientierung und lassen dich teilhaben an einer Gruppe. Das darf aber nicht als Ausrede oder Entschuldigung gelten – es liegt in der Eigenverantwortung von jedem, sich nicht vor den rechtsextremen oder antisemitischen Karren spannen zu lassen.

Verschwörungsmythen von rechter Szene schon länger propagiert

Wir hören und lesen jetzt vieles, was  neu-rechte Bewegungen der vergangenen Jahre schon länger propagieren: pauschale Medienschelte („Lügenpresse“), Impfkritik, Manipulationsmythen, Zensurvorwürfe und vermeintliche Verbote seine Meinung offen zu äußern. Die Frontstellung ist aus verschiedenen gesellschaftlichen Konflikten aus der jüngsten Zeit bekannt: Ein homogen gedachtes Volk steht einer vermeintlich korrupten und autoritär agierenden Elite gegenüber. Durch die mit der Corona-Krise verbundenen Verunsicherungen werden solche keineswegs neuen Vorstellungen anschlussfähiger in der Gesellschaft – und die Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft droht. Das ist ein enormes Problem!

Wenn Sie also irgendwo lesen, dass der Microsoft-Gründer Bill Gates das Virus finanziert haben soll, um allen Menschen einen Mikrochip einpflanzen zu können, mit dem sie dann total überwacht und kontrolliert werden – das ist falsch.

Wenn Sie also irgendwo lesen, dass der jüdische US-Milliardär Georg Soros und Israel Urheber des Virus seien – das ist falsch. Dieses Narrativ von der geheimen ‚Weltverschwörung‘ mit einem allmächtigen Strippenzieher ist übrigens ein zentrales Motiv antisemitischer Verschwörungstheorien.

In dieser Szene geht es munter weiter: Es werden auch Verschwörungsmythen der QAnon-Bewegung aus den USA aufgriffen und hitzig diskutiert. Demnach soll ein enger Vertrauter mit dem Pseudonym Q aus dem unmittelbaren Beraterumfeld von Donald Trump diesem bei seinem Kampf gegen einen ‚tiefen Staat‘ helfen. Diese Person soll angeblich über Geheiminformationen aus amerikanischen Regierungs- und Geheimdienstquellen verfügen. Diese angeblichen Geheiminformationen werden über viele Internetplattformen und soziale Medien breit gestreut. Ich habe dazu eine Schriftliche Anfrage (PDF) an die Staatsregierung gestellt.

„Widerstand 2020“ verharmlost Corona-Pandemie

Immer wieder taucht in der aktuellen Debatte der Name „Widerstand 2020“ auf. Diese Gruppe wurde u.a. von HNO-Arzt Bodo Schiffmann gegründet. Er verharmlost in seinen Videos die gesundheitlichen Gefahren des Corona-Virus und verbreitet über seinen Youtube-Kanal Verschwörungsmythen. Die neue Gruppierung sieht sich als authentischen Ausdruck des Volkswillens und bedient so bekannte populistische Muster. Durch Falschnachrichten, Übertreibungen, Emotionalisierung und das Schüren von Ängsten vergrößern diese neuen Akteure die aktuelle Verunsicherung vieler Menschen. Auch die Gruppe „Nicht ohne uns“ stößt in das gleiche Horn.

Extreme Rechte nutzen gesellschaftliche Verunsicherung aus

Verschwörungstheoretiker*innen und extreme Rechte versuchen, die Verunsicherung in der Bevölkerung aufgrund des andauernden Ausnahmezustands zu nutzen. – Katharina Schulze

Extreme Rechte planen offenkundig sich an die Spitze einer breiten Bürgerbewegung gegen die Beschränkungen des alltäglichen Lebens zu setzen. Das ist hoch gefährlich. Wenn man sich die Teilnehmer*innen der letzten Demonstrationen genauer anschaut, so findet man ein breites Spektrum: Impfgegner*innen, 5G-Gegner*innen, Esoteriker*innen, ‚Querfrontler*innen‘ aus den ‚Friedenswinter-Protesten‘, staatskritische und libertäre Linke, extreme Rechte unterschiedlicher Couleur, vom neu-rechten ‚Compact-Magazins‘ eines Jürgen Elsässer bis hin zu bekannten Holocaust-Leugner*innen, außerdem sind prominente Verschwörungsideolog*innen wie Ken Jebsen, selbsternannte „Reichsbürger“,  und auch die AfD ist ganz vorne mit dabei. Wie so oft in diesen Szenen ist auffällig, registrieren Beobachter*innen der Proteste, dass Männer bei den Protestierenden stark vertreten sind.

Natürlich sind nicht alle Menschen, die sich aktuell an den „Hygiene-Demonstrationen“ beteiligen, Rechtsextreme oder Verschwörungsideolog*innen. Proteste gegen die Einschränkung demokratischer Rechte und Freiheiten sind notwendig und legitim. Sie dürfen jedoch nicht als Plattform zur Verbreitung rechter Verschwörungstheorien missbraucht werden – das muss jeder Demokratin und jedem Demokraten klar sein. Wer sich da nicht eindeutig distanziert, trägt das mit. Mitgegangen, mitgefangen.

Was jeder und jede von uns tun kann

Was kann man jetzt also dagegen tun, wenn Freund*innen, Familie oder sonstige Bekannte auf einmal mit so was um die Ecke kommen?

Das Wichtigste ist: Aufklären und Hintergründe aufzeigen. Fakten und Informationen bereitstellen. Es gibt zum Glück so viele unabhängige Journalist*innen die z.B. beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder bei Recherchezentren wie correctiv die Aussagen überprüfen und einordnen.

Zweitens: Grenzüberschreitungen klar benennen. Deutlich machen, welche Gruppen man da unterstützt und eine Distanzierung von diesen einfordern: Der legitime Einsatz für den Erhalt unserer Grundrechte wird sonst unnötig diskreditiert.

Drittens: Quellen checken. Nur weil was in diesem Internet steht, muss es nicht stimmen. Nur weil ein Prof. Dr. Irgendwas in eine Kamera spricht, bedeutet es nicht, dass er oder sie die richtigen Schlüsse aus den Fakten zieht. Nur weil jemand (Halb-) Prominentes einen empörten Tweet schreibt, ist das nicht unverifiziert zu glauben!

Was jetzt parlamentarisch zu tun ist

Für mich als grüne Innenpolitikerin ist klar, mit rechtsextremen und verschwörungstheoretischen Bewegungen gibt es keine Zusammenarbeit, vielmehr muss konsequent dagegen vorgegangen werden. Die Köpfe in den Bewegungen gehören in den Blick genommen, die Verbindungen in die extremistischen Szenen aufgeklärt und nachverfolgt. Die Sicherheitsbehörden sind verpflichtet dort genau hinschauen, denn diese Gruppen versuchen unsere Demokratie zu schwächen. Einflussnahmen von anderen Staaten, z. B. die Verbindungen nach Russland müssen aufgeklärt werden.

Desinformationskampagnen zur Destabilisierung von Gesellschaften sind mittlerweile eine Art der Kriegsführung. – Katharina Schulze

Da viel online passiert, braucht es endlich eine virtuelle Polizeiwache in Bayern, bei der man Anzeigen stellen kann. Aufklärungsarbeit muss parallel massiv aufgewertet werden, ich setze mich schon seit Jahren für mehr Demokratie- und Medienbildung sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft ein. Dafür braucht es ein Demokratieförderungsgesetz, eine Zentrale Koordinierungsstelle Demokratie sowie ein eigenes Landesprogramm zur Stärkung der Zivilgesellschaft.

Es ist essentiell, dass auch in der Corona-Krise für den Erhalt und die Stärkung demokratischer Rechte gekämpft wird. So haben wir z. B. dafür gekämpft, dass die Versammlungsfreiheit in Bayern wieder hergestellt wird. Wir achten auf strenge Datenschutzvorgaben bei der Einführung einer Corona-App und stellen uns gegen Immunitätsausweise. Die Achtung der Grundrechte ist dabei unabdingbar für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, das habe ich in meinem Blogbeitrag am Anfang der Pandemie schon deutlich gemacht.

Natürlich müssen alle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie kontinuierlich auf ihre Verhältnismäßigkeit überprüft werden. Dabei ist in einer Demokratie eine kritische Öffentlichkeit unverzichtbar. Wir Grüne tragen unseren Teil dazu bei, indem wir regelmäßig eine kritische Evaluation und parlamentarische Kontrolle der weitreichenden und einschränkenden staatlichen Maßnahmen einfordern. Wir haben dazu schon viele Anträge und Anfragen gestellt.

Gemeinsam gegen Verschwörungsmythen vorgehen

 

Ich kann es absolut nachvollziehen, dass die Corona Pandemie Angst macht, auch ich schlafe oft schlecht. Sehr viel hat sich in kurzer Zeit für uns alle verändert: Wie wir uns begegnen, wie wir leben, wie wir arbeiten. Dazu kommen Sorgen um die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen. Auch die freiheitsbeschränkenden Maßnahmen belasten. Die Corona-Pandemie stellt unsere ganze Gesellschaft vor eine nie dagewesene Herausforderung – und ja, es sind ungewöhnliche Zeiten. Die Antwort kann dann aber doch nicht sein, dass man sich diskriminierenden, rassistischen, antisemitischen und demokratiefeindlichen Gruppen anschließt.

Wir brauchen vielmehr gesellschaftliche Solidarität, eine fakten- und evidenzbasierte Politik und Gesellschaft, sowie den Erhalt und die Stärkung des Rechtsstaates und der Institutionen. Dafür werde ich mich weiter einsetzen – ich hoffe, Sie auch!

———–

Ergänzung vom 14. Mai 2020: Ich habe eine Anfrage an die Staatsregierung gestellt, wie es denn mit der Beteiligung von Rechtsextremisten an den sogeannten „Hygiene-Demos“ aussieht. Sie hat mir bestätigt, dass bei solchen Kundgebungen und Demonstrationen auch Rechtsextremisten mit dabei sind. Die gesamte Anfrage samt Antwort hier.

 

18 Kommentare

  1. Auch ich bemerke mit Schrecken, wie selbst in meinem Bekanntenkreis und gerade unter Akademikern solch krude Theorien um sich greifen. Tenor ist hier, das man ja „besonders kritisch“ sei, die „Mainstream-Medien“ einseitig berichten und man sich „seine eigene Meinung“ aus „unabhängigen Quellen“ bilden solle. Wer immer mal irgendwas Sozialwissenschaftliches studiert hat, ist dies nicht fremd und erstmal auch sympathisch. Doch was diese angeblichen unabhängigen Quellen sind, wird nicht hinterfragt. Wer sind die Geldgeber? Welchen Hintergrund haben die Personen? (Etwa ein ehemaliger Journalist des RBB, zuvor eher bekannt in der rechten Szene, etc.) – Sie kennen all das. Die vorgeblich „kritischen“ Menschen sind auf einmal sehr unkritisch, gar leicht aggressiv, wenn sie um Quellenangaben gefragt werden. Oder akzeptieren ohne weiteres Berichte von „Beobachtern“, während sie Berichte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens quasi als Fake News abtun. Puh, verkehrte Welt! Sie schlagen sich derzeit täglich mit all dem herum (ich und viele andere auch), was oft sehr anstrengend ist und was wir uns noch vor zwei Wochen nicht träumen ließen. Die Grünen legen höchsten Wert auf demokratische Werte und Meinungsvielfalt, weswegen ich sie auch schon mehrmals wählte.
    Es wird von diesen Protestlern die Tage nun ebenfalls oft die „Meinungsfreiheit“ hochgehalten. An sich geht es hier aber nicht um „Meinungen“. Es ist das Hinterherlaufen von Fake News. Die angeblichen „Grundgesetzverfechter“ gehen nun im Gleichschritt mit den extremen Rechten, ohne dies sehen zu wollen. So wie sie auch medizinisch gesicherte Fakten nicht sehen wollen. Und sich offenbar für kompetenter halten als die führenden Virologen und das Robert-Koch-Institut zusammen. Ich bin erstaunt ob dieses Selbstbewusstseins. –
    Unter den seriösen Wissenschaftlern und, nebenbei, allem Krankenhauspersonal, das sich auf der ganzen Welt äußert und Covid19 – Patienten behandelt, steht ohne Zweifel fest, dass es um eine Pandemie geht, die es unbedingt einzudämmen gilt. Wer dies strikt leugnet, hat nicht einfach eine „andere Meinung“, sondern verschließt die Augen vor der Realität. Worüber man hingegen streiten kann, ist, welche Massnahmen sinnvoll sein könnten. Sicherlich gibt es da tatsächlich strittige Punkte, etwa mit Maskenpflicht etc., und alle paar Tage wird man – d.h. die „Verantwortlichen“ – auch neu entscheiden und nachjustieren müssen. Ich war wirklich nie ein Merkel-Fan, jedoch
    finde ich, man merkt, dass die Regierung es sich leicht macht. Auch sie lernt ja täglich dazu. Und ich schätze es sehr, dass die Grünen nicht „dagegenschiessen“ um der reinen Opposition Willen, sondern sich der von Experten empfohlenen Vorgaben und Empfehlungen anschließen. – Niemand ist gewohnt, mit so einer Ausnahmesituation umzugehen. Wie auch? Und bei dieser an sich (oft allzu) sehr „wirtschaftsfreundlichen“ Regierung kann mir doch absolut niemand erklären, weshalb gerade sie die Wirtschaft für Wochen lahmgelegt, einen Haufen Geld in die Hand nimmt, um die wirtschaftlichen Schäden zu begrenzen. Ausser eben, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Eine andere plausible Erklärung gibt es m. E. nicht. – Natürlich tut es mir leid um die vielen Gastwirte, kleine Ladenbesitzer, Künstler, … als Kulturmensch fehlt mir hier auch vieles vielleicht mehr als manchen anderen. Auch sehe ich viele anderen Kollateralschäden, die Einsamkeit der Alten, Misshandlung von Kindern und Frauen, etc.. Aber ich sehe die Notwendigkeit dieser Einschränkungen. Jedenfalls weitgehend. Leute wie jene Demonstranten und Corona-Leugner werden maßgeblich daran Schuld sein, wenn die Infektionszahlen steigen, und wir womöglich einen zweiten Lockdown bekommen. Das Fatale ist, dass dies die meisten sogar als Bestätigung dieser Thesen sehen werden. – Soviel mal. Bleiben Sie gesund – und standhaft!
    Herzliche Grüße aus Münster, und bleiben Sie gesund – und standhaft! Gabi Brodbeck

  2. und dem ist nichts hinzuzufügen! Danke.

  3. Hallo Herr Raasch,

    ich kann Ihren Kommentar leider nicht nachvollziehen.
    Frau Schulze diffamiert ja nicht pauschal andersdenkende, sondern kritisiert gezielt Fehlinfomationen bzw. Menschen, die diese veröffentlichen und diese dann schlecht recherchiert einer breiten Masse zur Verfügung stellen.
    Dass dieser Unsinn dann auch Zuhörer findet, liegt in einer auf Landes- und Bundesebene verfehlten Sozialpolitik der letzten Jahrzehnte, die die Gesellschaftsspaltung wie wir sie jetzt erleben erst ermöglicht hat. Und dabei nehme ich ausdrücklich jede Partei in die Pflicht, die seit der Wende in einem Parlament vertreten war! Sowohl in der Regierungsverantwortung als auch in der Opposition hätte sehr viel mehr gestaltet werden müssen, um einen einigermaßen gleich verteilten Wohlstand zu ermöglichen. das ist versäumt worden, aber auch nicht Thema dieses Beitrages und somit an anderer stelle zu diskutieren.
    Es gibt aber (Gott sei Dank nur selten) Gelegenheiten, wo Krisenmanagement gefragt ist. Und an dieser Stelle möchte ich der Bundesregierung, den Landesregierungen und dem RKI ausdrücklich danken! In solchen Situationen muss rasch und konsequent mit dem gearbeitet werden, was da ist. Und wenn das nun mal „nur“ das RKI und die von Ihnen angeführten einigen Virologen sind, dann eben damit. Dass solche Einschränkungen und die Art und Weise wie sie zustande kommen, natürlich nicht kritiklos hingenommen werden, ist Grundlage jeder funktionierenden Demokratie. Auch ich finde beim besten Willen nicht alles gut, was entschieden wurde und wann und auf welcher Basis diese Entscheidungen zustande gekommen sind. Und wie alles im Leben hat auch die Diskussion ihre Zeit. Und die bricht jetzt an und wird breit und öffentlich geführt. Das zeigt, dass unsere Demokratie funktioniert. Davor jedoch war die Zeit zu handeln, was Diskussionen natürlich nicht ausschließt und auch Raum gelassen hat für die Äußerungen von anderen Meinungen und Ansichten.
    Frau Schulze hebt aber gezielt auf Menschen ab, die in diesen Informationen Halt in einer unsicheren Zeit finden und diese glauben ohne deren Inhalt zu recherchieren, kritisch zu hinterfragen und auch andere Meinungen zuzulassen. Hier hätte die Informationspolitik der Bundes- und Landesregierungen in der Krisenzeit umfassender und transparenter sein können und vielleicht sogar müssen. Das aufzuarbeiten muss Teil einer Manöverkritik sein, die Politik, Gesellschaft und Medien durchzuführen haben. Und das passiert gerade und wird hoffentlich dazu führen, dass Politik und Gesellschaft für ein nächstes Mal, dass hoffentlich nie kommt, besser aufgestellt sind, mehr Verständnis füreinander aufbringen und schneller bessere Entscheidungen treffen.
    Die Leute, von denen hier die Rede ist und die jetzt versuchen die Verunsicherung der Menschen auszunutzen, um ihre kruden Theorien weiter zu verbreiten, sind dabei keine Hilfe sondern sorgen eher für eine Lagerspaltung in (schwarz/weiß, gut/böse) als für Denkanstösse für eine differenzierte Meinungsbildung für eine gesellschaftliche Diskussion. Und exakt darauf weist Frau Schulze hin! Sie fordert zu recht eine evidenzbasierte differenzierte und möglichst breit geführte Diskussion ein und warnt vor der o.a. Spaltung der Gesellschaft. Es muss Aufgabe von Politik und Gesellschaft sein, solche Leute zurück in die Diskussion zu holen.
    Da Sie davon schreiben, die Grünen nach 36 Jahren nicht mehr wählen zu wollen, dürften Sie mindestens Mitte 50 sein und haben sicher vieles, was unser Land geprägt und geformt hat, miterlebt. Immerhin schreiben Sie nicht, gar nicht mehr wählen zu wollen, was ja von einer politischen Verantwortung zeugt, die eben die meisten der Leute, über die wir hier schreiben eben gar nicht haben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Guido Rohloff

  4. Herzlichen Dank Frau Schulze, für diese klare und fundierte Einschätzung. Insbesondere Ihr Schlusssatz macht Mut – für mehr gesellschaftliche Solidarität, für mehr Fakten und Evidenz und die Stärkung des Rechtsstaates und der Institutionen. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.

  5. Liebe Frau Schulze,
    eine Stimme der Vernunft in der Zeiten, die ich zumindest bis vor kurzem nicht für möglich gehalten hätte. Vielen Dank für Ihren Beitrag, dem ich 100% zustimme.

    Viele Grüße,
    Thomas Rychly

  6. Ich frage mich in letzter Zeit öfter, wo leben diese Menschen und das normale Denken ist scheinbar ausgeschaltet- viele Dank für diesen Bericht und bleiben Sie gesund

  7. Danke für diesen wichtigen Beitrag. Mir machen diese Menscheb mehr Angst als die Corona-Krise.

  8. Hallo Katharina, vielen Dank für Ihren umfassenden, eindrücklichen Kommentar.
    Ich bin derzeit sehr beunruhigt- nicht nur, weil ich und viele Andere als Risikopatienten*innen nicht einschätzen können, was an gesundheitlichen Gefahren auf uns zukommen ( und die Corona-Schutzmaßnahmen wirklich als SCHUTZ dankend angenommen und umgesetzt werden- könnten an manchen Stellen noch ausgebaut werden!) vorallem aber, was in meinem Verwandten u Bekanntenkreis an genau diesen V-theorien verbreitet werden und man da mit Fakten überhaupt nicht weiterkommt- ja selbst mit Erfahrungsberichten ( habe selbst auch viele Jahre im Krankenhaus WM gearbeitet) und mit wissenschaftlichen Argumenten dringt man nicht durch. Im Gegenteil- es wird gecontert, man wäre gehirngewaschen in einem System, das unsere Wirtschaft u sonst zerstören möchte.
    Ich bin verbal kämpferisch mit Achtung- aber dann wieder völlig sprachlos! Ich bin jetzt wirklich für strafrechtliche Maßnahmen gepaart mit verpflichtender Arbeit im Krankenhaus- im Falle von Verstößen gegen die „Corona- Regeln“.
    Ich hoffe, die Executive und Judikative schaut hier sorgfältig hin- ich habe Angst um unsere gewachsene Demokratie!
    LG

  9. Liebe Frau Schulze,
    vielen Dank für diesen sehr konstruktiven Beitrag. Ich bin in jedem Punkt ganz bei Ihnen.

  10. Ein mustergültiger Beitrag mit der Zusammenstellung gefährlicher Tendenzen, der tatsächlichen politischen Kultur und dem Aufruf, individuell dabei mitzuhelfen, destabilisierende Verschwörungstheorien als falsch zu entlarven und deren Verbreitung einzugrenzen. Es muss gelingen, die Sinne dafür zu öffnen, dass sich die weltweite Krise nur mit einer Portion Vertrauen in fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse und rechtsstaatliche Maßnahmen langfristig bewältigen lässt. Dafür müssen Appelle im Stil des Beitrages immer und immer wieder von „vernunftsbasierten Vertrauenspersonen“ vermittelt werden. Wir haben einige davon in Deutschland, Frau Schulze gehört dazu.

  11. Besser kann man es nicht zusammenfassen.

  12. Danke! Besser und. Verständlicher kann man es nicht formulieren.

  13. Danke für diese fantastische Stellungnahme! Wir müssen uns wehren gegen rechte Hetze und die Angriffe auf die Pressefreiheit – und zwar so schnell wie möglich! Ich würde mir friedliche Gegendemonstrationen wünschen von Bürgern, die das besonnene Verhalten der Bundes- und Landesregierungen wertschätzen, auch wenn man einer der Politiker diese Krisensituation zur Selbstdarstellung genutzt hat.
    Freundliche und dankbare Grüße
    Meike Lezius

  14. Absolut wahr! Ich habe gerade erst in einem Forum erklärt, dass die Diffamierung von Politikern u.U. eine Straftat darstellt und das mir Vokabular wird ‚die Sogenannte Bundesregierung‘ doch sehr nach Reichsbürgerdenken klingt.

    Es macht nur müde….

  15. Puh, endlich! Auf so einen Kommentar und Aufruf habe ich lang gewartet! Danke!

  16. Danke, Sie sprechen mir aus der Seele!

  17. Hi Frau Schulz, ich bin absolut mit Ihnen und habe in meinem Friseursalon ein breites Spektrum politischer Meinungen. Dabei nicht wenige „ich bin ja nicht rechts, aber“ Kunden. Vielleicht erinnern Die sich ich bin vor drei Jahren als CSU-OV mit breitem Medienecho ausgetreten. Seitdem werde ich von einigen Mitbürgern und Kunden geächtet. Mein Bekenntnis zur Grünen Richtung wird mir. selbst von engster Verwandschaft übel genommen. Aktuell habe ich aus Altersgründen unseren Salon an ein symp. türkisches Ehepaar verkauft. Der CSU Bürgermeister macht bzgl. der Gewerbeanmeldung nur Schikanen und verzögert die Ausstellung mit allen Mitteln. Da kommt Ausländerfeindlichkeit in den Sinn. Meine höfliche Post an ihn im März wurde bis heute nicht beantwortet. Meine Anrufe ignoriert. Ich möchte dass an die Presse geben und dieses unmögliche Verhalten öffentlich machen. Ich habe mein Geschäft in Oy-Mittelberg, Oberallgäu. (Allgäuer Zeitung) Vielleicht können Sie mir einen Journalisten empfehlen, der sich dieser Story annimmt. Ihnen alles Gute und bitte gesund bleiben!

    • Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag – diese kruden Theorien habe ich selbst im weiteren Bekanntenkreis von eigentlich einigermaßen vernünftigen Frauen gehört

Kommentar absenden

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert*

Der Schutz der personenbezogenen Daten unserer BesucherInnen ist uns wichtig. Sie können von uns erwarten, dass wir mit Ihren Daten sensibel und sorgfältig umgehen und für eine hohe Datensicherheit sorgen. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie auch in der Datenschutzerklärung dieser Webseite.