Katharina Schulze

im bayerischen Landtag

Beratungsstelle Ufuq

Salafismus-Prävention durch Demokratieerziehung?

1. Juli 2016 in Innenpolitik, Unterwegs | Keine Kommentare

Die Beratungsstelle Ufuq, seit einem halben Jahr wieder aktiv, leistet Präventionsarbeit und Demokratieerziehung um religiöse Radikalisierung in Bayern zu verhindern. Meine Kollegin Christine Kamm und ich waren die ersten Abgeordneten, die sich vor Ort über die Arbeit informiert haben.

Ufuq: Pädagogik zwischen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus

Die von Ufuq betriebene Primärprävention setzt vor allem in Gruppen wie Schulen, Jugendgruppen oder Vereinen an. Einzelfälle – die wohlmöglich schon auffällig geworden sind – gehören in der Regel nicht in diesen Aufgabenbereich. Auf meine Schriftlichen Anfragen antwortet die Bayerische Staatsregierung stets, dass alles gut in Bayern ist und alle Netzwerke zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung einwandfrei laufen. Wir wissen aber auch, dass es eine verwirrende Anzahl von Akteuren mit sich zum Teil überschneidenden Kompetenzen gibt. Das direkte Gespräch mit Verbänden und Vereinen ist der beste Weg, um herauszufinden, wo der Schuh drückt.

Christine Kamm, Mustafa Ayanoglu und Wolfgang Fänderl von Ufuq sowie Katharina Schulze sprachen über Salafismus-Prävention

Prävention und Demokratieerziehung

In Bayern wird in der Präventionsarbeit zwischen einem bereits stattgefundenen Radikalisierungsprozess und der Gefahr der Radikalisierung unterschieden. Ufuq ist dabei pädagogisch aufklärend aktiv. Dabei sollen vor allem in Schulen, Jugendgruppen oder Vereinen über die Botschaft des Islam, den eigenen Umgang mit dem Islam und das Leben mit dem Islam gesprochen werden. Konkrete Einzelfälle werden dagegen vom Violence Prevention Network übernommen. Meine Kollegin Christine findet: „Es gibt immer lauter werdende Stimmen, die so tun, als wäre der Islam die Wurzel allen Übels. Oft wird jedoch völlig vergessen, dass Terrorismus und Radikalismus von der Religion losgelöst sind. Wer einer ganzen Religion kritisch gegenüber steht, stößt vielen Menschen vor den Kopf und schafft so Kontaktpunkte für Radikalisierung“. Wer über den Islam redet, muss auch über Islamfeindlichkeit sprechen!

Chancen und Grenzen von Prävention

Die Vertreter von Ufuq beschreiben, dass die meisten Anfragen von Schulen oder Vereinen nichts mit religiös begründeter Radikalisierung zu tun haben, sondern eher mit Identitätskrisen und der Pubertät. Beispielsweise der Anruf einer Schuldirektorin, die darüber berichtet, dass ein Schüler sich einen Bart hat wachsen lassen, andere Klamotten trägt und vermehrt religiöse Fragen im Unterricht stellt. In der Regel kann hier durch Gespräche mit dem Schüler, den Eltern und Freunden schnell geklärt werden, ob es sich wirklich um religiös begründete Radikalisierung handelt oder einfach um eine Facette der Pubertät. Oftmals führen solche Gespräche laut Ufuq auch dazu, dass der eigene Umgang mit dem Islam beziehungsweise Moslems untersucht und hinterfragt wird. Präventionsarbeit kann also bestenfalls das interkulturelle und interreligiöse Verständnis verbessern.

Einfache Antworten für komplexe Probleme?

Als größte Gefahr nannten die Vertreter von Ufuq die einfachen und klaren Botschaften und Lösungsansätze, die radikale Islamisten und Salafisten bieten. Der Islam ist eine sehr komplexe Religion, unsere Welt und Gesellschaft sind ebenfalls sehr komplex. Einfache Botschaften und klare Lösungsansätze können hier schnell den falschen Eindruck vermitteln. Einfache Lösungen sind niemals die richtigen. Nur durch Aufklärung und pädagogische Betreuung kann jungen Menschen vermittelt werden, dass die von radikalen Islamisten und Salafisten geschaffenen Botschaften sich als Schaumbilder erweisen.

Am Ende des Gesprächs stand für die Abgeordneten und die Vertreter von Ufuq fest, dass Ängste, Missverständnisse und kulturelle Unterschiede nur dann überwunden werden können, wenn es einen regen Austausch zwischen allen Beteiligten gibt. Anstatt also Migrantinnen und Migranten vorzuschreiben, wie das eigene Leben gestaltet werden soll, sollten Regeln des gemeinsamen Zusammenlebens stets gemeinsam erarbeitet werden. Demokratieerziehung und interkulturelle Verständigung sind daher  nachhaltigere Lösungen als Leitkult und Misstrauen.

Mehr Informationen über Salafismus-Prävention

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