Katharina Schulze

Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag

Grüne Interpellation

Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen schützen

8. November 2022 in Anträge und Anfragen, Im Parlament |

Wir Grüne haben vergangenes Jahr eine sogenannte Interpellation, sprich einen Antrag auf Auskunft, zum Thema Psychische Gesundheit an die Staatsregierung eingereicht. Die Antworten darauf sind schockierend: In Bayern ist keine ausreichende Versorgung von Kinder und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen gewährleistet.

Gravierende Versorgungslücke

Viele Kinder und Jugendliche leiden an irgendeinem Punkt in ihrem Leben an einer psychischen Erkrankung oder Auffälligkeit.

Das ist nicht erst seit der Corona-Pandemie so, sondern war schon vorher der Fall.

Die Antwort der Staatsregierung zeigt: Es gibt gravierende Lücken bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Problemen. – Katharina Schulze

Die Fallzahlen behandlungsbedürftiger Kinder und Jugendlicher steigen sowohl bei der stationären als auch bei der teilstationären Therapie stetig an.

Viele Einrichtungen jetzt schon komplett ausgelastet

Die Auslastung der Einrichtungen ist in allen Regionen konstant hoch, teils über 90 Prozent. In manchen Bezirken liegt sie sogar bei 100 Prozent und mehr. Das ist alarmierend!

In der Oberpfalz lag die Auslastung zwischen 2014 und 2019 immer bei knapp oder sogar über 100 Prozent, ebenso in Schwaben.

Söder-Regierung muss handeln

Wenn stationäre Kliniken der Kinder- und Jugendpsychiatrie so stark ausgelastet sind, dann fehlt es an Behandlungsplätzen und an Fachkräften, um den Bedarf zu decken.

Die Staatsregierung hat dafür nach wie vor keine substanziellen Lösungsvorschläge.

Für uns Grüne ist klar: Bayern muss die Versorgungsangebote ausbauen, insbesondere von Tageskliniken in allen Bezirken und der psychiatrischen Versorgung. – Katharina Schulze

Und die Söder-Regierung muss mehr in gute Arbeitsbedingungen für medizinische und pflegerische Fachkräfte investieren, gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel und die Pandemiezeiten.

Die Versorgung ist sonst weiterhin massiv gefährdet!

Grüne Forderungen für Kinder und Jugendliche

  • Investitionen in gute Arbeitsbedingungen für medizinische und pflegerische Fachkräfte (Konzeptpapier „Soziale Berufe stärken“).
  • Strategie zur Enttabuisierung psychischer Erkrankungen.
  • flächendeckende Weiterbildungsmaßnahmen im Bildungsbereich.
  • Ausbau des Versorgungsangebots, insbesondere von Tageskliniken in allen Bezirken, von Eltern-Kind-Stationen bzw. Mutter-Vater-Kind-Tageskliniken und der ambulant-aufsuchenden psychiatrischen Versorgung.
  • Versorgungslücken schließen: Vom Erstkontakt über den Behandlungszeitraum bis hin zur Wiedereingliederung in den Alltag soll es für jeden Patienten eine gestufte und koordinierte Versorgung geben. Wie dies gelingen kann, zeigt etwa das Modellprojekt „Recover“, das zwischen 2017 und 2021 am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf durchgeführt wurde. Bayern sollte mit der KVB und den Bezirken in Gespräche eintreten, um ähnliche Lösungsmodelle zu erproben.
  • Etablierung sogenannter Lotsen: Sie können Zugänge zu Hilfen erleichtern, insbesondere für Kinder. (Mit dem Antrag „Offensive für den Kinderschutz: Starke psychiatrische Versorgung!“ haben wir Landtags-Grünen schon 2020 ein Konzept für derartige Vernetzungsprojekte gefordert.)
  • Schnelle fachkompetente Hilfe im Krisenfall auch für Minderjährige: Der Krisendienst, der im Rahmen des bayerischen Psychisch-Krankenhilfe-Gesetzes eingerichtet wurde, übernimmt diese Aufgabe bislang nur für Erwachsene. Sachverständige haben jedoch in einer Expertenanhörung im Bayerischen Landtag im Oktober 2021 klar darauf hingewiesen, dass geprüft werden müsse, inwiefern der Krisendienst in Bayern auch für Kinder und Jugendliche eine direkte Anlaufstelle sein und Beratung leisten kann. Wir haben hierzu einen Prüfantrag gestellt.

Psychische Gesundheit geht uns alle an!

Neben dem Punkt Kinder und Jugendliche hat die Interpellation viele weitere Bereiche zum Thema Psychische Gesundheit abgefragt.

Darunter etwa zur Situation queerer Menschen oder von Menschen in prekären Verhältnissen, wie etwa wohnungs- und obdachlose Menschen – ebenso mit dem Ergebnis, das hier Versorgungslücken bestehen.

Psychische Gesundheit geht uns alle an! Sie ist Voraussetzung für Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und Soziale Teilhabe. Wir dürfen hier niemanden zurücklassen.

Wir brauchen ein Hilfesystem, dass psychische Erkrankungen früh erkennt, Betroffene schützt und Angehörige und das soziale Umfeld mit einbezieht. – Katharina Schulze

Wir müssen für die nötige therapeutische, medizinische und pflegerische Versorgung für alle Betroffenen sorgen.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Interpellation.