Katharina Schulze

Fraktionsvorsitzende

Grüne Winterklausur

#YesWeCare: Soziale Berufe stärken

21. Januar 2021 in Unterwegs | 1 Kommentar

Bei unserer hybriden grünen Winterklausur haben wir uns unter dem Motto „Yes We Care“ mit der Aufwertung von sozialen Berufen beschäftigt. Wir Grüne möchten Care-Arbeit solidarischer und zukunftsfähiger organisieren und finanzieren. Gemeinsam haben wir ein Konzeptpapier (PDF) verabschiedet, um Menschen in sozialen Berufen, insbesondere im Pflege- und Betreuungsbereich, zu stärken.

Ob in der Kita, bei der Pflege von Eltern und Großeltern, der Betreuung und Förderung von Menschen mit Behinderungen, Beratung in Notlagen, Streetwork oder Hilfen zur Erziehung in schwierigen Familienphasen: Irgendwann in unserem Leben sind wir alle auf Care-Arbeit und damit auf Fachkräfte der Pflege, frühkindlichen Bildung oder Kinder- und Jugendhilfe angewiesen.

Wir alle gehen durch die Hände von Care-Arbeiter*innen und werden durch sie geformt, geführt und geleitet. – Katharina Schulze

Durch die Corona-Pandemie sind die großen Belastungen für unsere Fachkräfte offen zutage getreten. Wir müssen Care-Arbeit gerechter und zukunftsfähiger organisieren und finanzieren, statt nur Boni zu verteilen und um 19 Uhr vom Balkon Beifall zu klatschen.

Menschen in sozialen Berufen sind unverzichtbar für den sozialen Zusammenhalt und letztlich das Funktionieren unserer Gesellschaft. – Katharina Schulze

Wir Grüne möchten in Bayern die Länderkompetenz für die Gesundheits- und Erziehungsberufe nutzen und deren Ansehen und Attraktivität steigern. Wir treten ein für

  • eine stärkere gesellschaftliche Anerkennung und angemessene Arbeitsbedingungen in sozialen Berufen,
  • Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt jenseits des Klischees der klassischen „Frauenberufe“ und
  • die Wahrnehmung von Care-Berufen als anspruchsvolle Professionen, die neben Hilfsbereitschaft und Herz eine fundierte Ausbildung erfordern.

Forderungen für die frühkindliche Bildung

Erzieher*innen sind zentrale Bezugspersonen für Kinder. Sie setzen frühe Bildungsimpulse und stehen Eltern in schwierigen Situationen zur Seite. Das gelingt nur, wenn diese Bildungsfachkräfte gute Rahmenbedingungen vorfinden und das Berufsfeld so attraktiv ist, dass mehr Nachwuchskräfte gewonnen werden.

Wir Grüne sehen in Bayern deutlichen Handlungsbedarf in folgenden Bereichen:

Ausbildung: Wir wollen die praxisintegrierte Ausbildung mit Vergütung ab dem ersten Ausbildungstag zur Regel machen.

Vergütung: Wir möchten pädagogische Fachkräfte deutlich höher entlohnen, Zusatzqualifikationen und Leitungsaufgaben honorieren und fördern und Entwicklungsperspektiven schaffen.

Arbeitsbedingungen: Wir fordern mittelbar pädagogische Tätigkeiten, wie z.B. Elterngespräche, fest in die Arbeitszeit einzukalkulieren und den Personalschlüssel von derzeit 1:11 auf 1:10 festzusetzen, um die hohe Arbeitslast auf mehr Schultern zu verteilen. Dazu legen wir eine Änderung des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes (BayKiBiG) vor.

Kindertagespflege: Wir wollen die Kindertagespflege aufwerten durch einheitliche und höhere Vergütungssätze in Bayern, eine höhere Grundqualifizierung und flexiblere Großtagespflege.

Qualität in der frühkindlichen Bildung: Wir setzen uns dafür ein, die Beitragszuschüsse für die Kita-Betreuung sozial zu staffeln, statt einkommensunabhängig zu verteilen. Die Einsparungen von jährlich ca. 100 Mio. Euro wollen wir in die Qualität unserer Kitas in Bayern investieren – in gute Rahmenbedingungen für unsere Fachkräfte und eine bessere Zukunft für unsere Kinder!

Forderungen für die Kinder- und Jugendhilfe

Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe – z.B. Sozialarbeiter-, Kinderpfleger- und Therapeut*innen – sind dort gefragt, wo sich Kinder und junge Erwachsene bis 27 Jahren bewegen. Sei es im Hort, Jugendzentrum, stationären Jugendwohnen oder auf der Straße. Sie beraten, stärken und gleichen Benachteiligungen aus. Dieses wichtige Berufsfeld ist noch viel zu wenig präsent in der Politik und leidet unter Personalmangel, Unterbezahlung, Überbelastung. Hier wollen wir Grüne ansetzen:

Ausbildung und Studium: Alle Ausbildungsgänge in sozialen Berufen müssen in Bayern müssen nicht nur kostenfrei sein, sondern vergütet werden. Wir fordern höhere Ausbildungskapazitäten an den staatlichen Hochschulen und eine inklusivere Ausrichtung der Ausbildungs- und Studiengänge, damit Diversität auch unter unseren Fachkräften zur Realität wird.

Anleitung: Wir fordern mehr Lehrpersonal an Fachakademien und Hochschulen. Die Praxisphasen von angehenden Fachkräften sind durch feste Zeitkontingente für die Anleitenden abzusichern.

Arbeitsbedingungen: Sabbaticals, wöchentliche Arbeitszeitvolumen und individuelle Weiterbildungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass Arbeitszeiten selbstbestimmter gestaltet und hohe Arbeitsbelastungen besser ausgeglichen werden. Wir fordern, dass der öffentliche Dienst als Vorbild vorangeht und Mitarbeitenden in landesweiten und kommunalen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe diese Möglichkeiten einräumt.

Vergütung: Wir fordern höhere Zulagen für Schichtdienste, wie z.B. im stationären Jugendwohnen, und kostendeckende Zahlungen statt der gängigen Fallpauschalen der Jugendämter.

Finanzierung: Nur mit mittel- bis langfristiger staatlicher Förderung kann die Kinder- und Jugendhilfe auch unbefristete Arbeitsstellen anbieten. Wir wollen dem Bayerischen Jugendring über das Haushaltsgesetz eine langfristige und verlässliche Finanzierungsperspektive geben.

Bei der Auftaktpressekonferenz in der Muffathalle.

Forderungen für die Pflege

In der Corona-Pandemie erfahren die Pflegefachberufe hohe gesellschaftliche Wertschätzung. Wir Grüne setzen uns für eine Pflegepolitik ein, die Pflegeberufe in ihrer fachlichen Expertise wahrnimmt, dauerhaft gut honoriert und Arbeitsbedingungen schafft, unter denen gutes Arbeiten wieder möglich wird.

Ausbildung und Studium: Die Pflegeausbildung wird derzeit zu einer generalistischen, bezahlten Ausbildung reformiert – hier gilt es auch die Altenpflege zu integrieren. Wir stehen zudem für eine Akademisierung der Pflege und möchten eine Fakultät für Pflegewissenschaft gründen.

Arbeitsbedingungen: Wir wollen angemessene Stellenschlüssel in der Pflege, damit sich die hohe Arbeitslast auf ausreichend vielen Schultern verteilt. Die von bundesweiten Fachgremien entwickelte Pflegepersonalregelung (PPR 2.0) kann eine Lösung sein – wir wollen dieses neue Instrument in bayerischen Kliniken einführen und evaluieren.

Psychische Gesundheit: Wir fordern eine bayerische Präventionsstrategie, die die psychische Gesundheit der Pflegekräfte stärkt und v.a. die Leitungskräfte hierfür sensibilisiert und befähigt.

Mitsprache: Pflegekräfte in Bayern brauchen mehr Mitspracherechte! Wir fordern deshalb die Errichtung einer Pflegekammer in Bayern.

Digitalisierung: Digitale Assistenzsysteme und Robotik können eine effiziente Ergänzung in der Versorgung von Patient*innen bedeuten. Die Staatsregierung muss eine umfassende Digitalstrategie für die Pflege auflegen.

Forderungen für Care-Berufe

Wir wollen in den Care-Berufsfeldern den Rahmen richtig setzen. Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt gehören zur DNA grüner Politik und muss auch bei sozialen Berufen, die in großer Mehrheit von Frauen ausgeübt werden, stärker berücksichtigt werden. Wir fordern:

  • ein wirksames Gesetz für gleichberechtigte Bezahlung (Equal Pay), um die Benachteiligung von Frauen zu beenden,
  • gendersensible Berufsorientierung für Kinder und Jugendliche, damit sie jenseits konservativer Rollenmuster ihre Berufswahl treffen können,
  • Genderbudgeting für den bayerischen Staatshaushalt, um ungleicher Verteilung von Mitteln zulasten von Frauen entgegenzuwirken,
  • Ausbau von Teilzeitausbildung, um v.a. Alleinerziehenden, Berufstätigen, jungen Familien mit Kindern oder pflegenden Angehörigen den Weg in eine Berufsausbildung zu ebnen

Hinter den Kulissen unserer grünen Klausur:

 

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unserem Konzeptpapier (PDF).

1 Kommentar

  1. Sehr geehrte Damen und Herren ,
    Bzgl. Ihrer Aussage Akademisierung der Pflege ,ist für mich, der ca.30 Jahre in der Pflege arbeitet, fern jeder Realität.
    Wir brauchen Pflegekräfte die Arbeiten und nicht wissenschaftliche Erkenntnisse, die fern jeglicher Realität liegen, umsetzen sollen. Ein Akademiker wird nie am Bett arbeiten, akademische Klugschwätzer haben wir bereits, wir benötigen Pflegekräfte die Arbeiten und nicht nur Anschaffen. Sie glauben doch nicht ernsthaft ,wenn ich das Studium der Pflege absolviere , dass ich am Patienten noch tätig bin . Mit dem Studium möchte ich kein Wochende, keinen Nachtdienst sowie keinen Schichtdienst mehr absolvieren und von dieser Sorte haben wir wahrhaftig ausreichend.
    Wer dies fordert zeigt, dass er sich mit dem Thematik Pflege nie beschäftigt hat. Mein Entschluss, ich kehre der Pflege den Rücken. Zum Beispiel
    Ein EDV ler verdient fasst das doppelte einer Pflegekraft und geht am Freitagnachmittag nach Hause, ohne Schichtdienst und Wochenende und Nachtdienst.
    Mit freundlichen Grüßen
    Helmut Bertholdt

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