Katharina Schulze

Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag

Grüne Studie

„Wie gut bereitet dich die Schule aufs Leben vor?“

8. September 2022 in Anträge und Anfragen, Im Parlament |

Was wünschen sich die Schüler*innen in Bayern? Wie gut fühlen sie sich in der Schule aufs Leben vorbereitet? Das haben wir Landtags-Grüne mehr als 400 Schüler*innen aller Schularten im Alter von 14 bis 20 Jahren in Bayern im März 2022 im Rahmen einer Studie fragen lassen. Das Ergebnis überrascht uns nicht: Mehr als die Hälfte der Schüler*innen fühlt sich durch die Schule zu wenig auf das Leben vorbereitet.

Schule muss Jugendliche auf Zukunft vorbereiten

Die Ergebnisse der Studie sind ein Armutszeugnis – Schule muss ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche ihre persönlichen und geistigen Fähigkeiten optimal entwickeln können, damit sie später als mündige Bürger*innen an der Gesellschaft teilhaben können – egal aus welchem Haushalt sie kommen. 

Ich erwarte vom Kultusminister, dass er umgehend tätig wird! – Katharina Schulze

Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Studie zusammen mit meiner Kollegin Anna Schwamberger, grüne schulpolitische Sprecherin, und Marlena Thiel, Landesschüler*innensprecherin für Bayern.

Bedarf an mehr Berufsorientierung

Unabhängig von der Schulart wünschen sich knapp 2/3 der Schüler*innen mehr Vermittlung von Wissen über verschiedene Berufslaufbahnen. 60% der Schüler*innen wollen mehr Schulpraktika sowie mehr Besuche von Berufsmessen.

Die Realität an den meisten Schulen sieht jedoch anders aus: Insbesondere an Gymnasien und der FOS sagen 55 % der Schüler*innen, dass sie nie oder selten Wissen über verschiedene Berufe vermittelt bekommen.

56% der Schüler*innen an Gymnasien haben nie oder selten Einblicke in die berufliche Praxis durch Schulpraktika.

62% aller befragten Schüler*innen besuchen nie oder selten Berufsmessen oder Berufsinformationsprojekte.

Der Fachkräftemangel wird durch fehlende Berufsorientierung noch verschärft, denn die berufliche Bildung ist ein zentraler Baustein der Nachwuchssicherung. – Katharina Schulze

Zudem verstärkt die geringe Behandlung der Berufsmöglichkeiten im Unterricht die sehr eingeschränkte Wahl der Berufe, die später ergriffen werden. Darüber hinaus können durch eine gute Berufsorientierung an den Schulen die Abbruchquoten gesenkt werden.

Unsere Forderungen für die Berufliche Bildung:

  • Einführung von Pflichtpraktika in zwei verschiedenen Berufen
  • Reduzierung der Lehrplaninhalte, um die flächendeckende und regelmäßige Durchführung von Berufsorientierungsprojekten zu ermöglichen
  • Vermittlung von Kenntnissen des Berufsbildungssystems, insbesondere der dualen Ausbildung im Rahmen der Lehrkräfteausbildung sowie im Weiterbildungsangebot
  • Einstellung eines*r Koordinator*in für Berufsorientierung für jede weiterführende Schule

Unsere Schüler*innen müssen dringend mehr über Ausbildungsberufe und Karrierechancen erfahren – jede sechste Ausbildungsstelle blieb 2021 in Bayern unbesetzt. – Katharina Schulze

Besonders schmerzlich: Junge Frauen in Deutschland verfügen über eine besonders gute Schulbildung, trotzdem sind sie in naturwissenschaftlich-technischen Berufen deutlich unterrepräsentiert.

Wir müssen ihnen diese Berufe näherbringen und sie ermutigen, diese zu ergreifen.

Psychische Gesundheit von Schüler*innen belastet

3/4 der Schüler*innen aller Schularten wünschen sich mehr Vermittlung praktischer Fähigkeiten im Umgang mit Stress, Druck, Misserfolgen, Mobbing oder Konflikten.

Bereits vor Corona bestanden bei 17,2% der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3-17 Jahren Hinweise auf psychische Auffälligkeiten.

Die Pandemie hat die Situation erheblich verschlechtert:. Während Corona betrug der Anstieg, der wegen einer depressiven Episode stationär behandelten 10-14-Jährigen, im Vergleich zu 2019 16%, bei den 15-17-Jährigen sogar 25%.

Der Anstieg von stationär behandelten Schulkindern wegen Essstörungen lag bei 22%, der bei Jugendlichen bei 40%.

Auch im dritten Pandemiejahr fühlen sich acht von zehn Kindern und Jugendlichen durch die Pandemie belastet. Diese Belastung äußert sich auch durch psychosomatische Stresssymptome wie Gereiztheit, Einschlafprobleme und Niedergeschlagenheit.

Es besteht dringender Handlungsbedarf!

Schulen sind der Ort, an dem soziale Benachteiligung ausgeglichen werden kann, psychische Auffälligkeiten erkannt und Behandlungen in die Wege geleitet werden können. Zudem kann Neuerkrankungen durch Prävention entgegengewirkt werden.

Unsere Forderungen für die Psychische Gesundheit:

  • Etablierung von multiprofessionellen Teams zur Entlastung der Lehrkräfte (Schulpsycholog*innen, Krankenschwestern oder Sozialarbeiter*innen)
  • Mehr Schulsozialarbeiter*innen und Schulpsycholog*innen an allen Schularten
  • Breiteres Fortbildungsangebot für Lehrkräfte im Bereich „psychische Gesundheit“
  • verbindliche Veranstaltungen zu Themen wie „Depression“ oder „Suizid“ in allen Lehramts-Studiengängen
  • Etablierung wirksamer Präventionsprogramme und -maßnahmen für die psychische und physische Gesundheit der Schüler*innen

Schon vor Corona gab es zu viele psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen – wir müssen jetzt alles dafür tun, sie zu unterstützen! – Katharina Schulze

Finanzielle Bildung wird nicht vermittelt

Vermittlung von Basiswissen über Geld und Finanzen findet laut 2/3 der Schüler*innen selten oder nie statt.

Noch düsterer sieht es bei der Vermittlung des Wissens, wie man seine Finanzen verwaltet und wichtige Versicherungen abschließt, aus: Am Gymnasium und der FOS sagen 54%, dass diese Vermittlung nie, und 30%, dass sie selten stattfindet. Von den Mittel- und Realschüler*innen sagen 32%, dass sie nie, und 42%, dass sie selten stattfindet.

Der Umgang mit Geld ist ein wesentlicher Bestandteil des jugendlichen Alltags. Für junge Menschen wird z.B. die Notwendigkeit für die Rente vorzusorgen aufgrund des demografischen Wandels immer größer.

Das Wissen um den richtigen Umgang mit Finanzen kann einen entscheidenden Einfluss auf die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen haben. – Katharina Schulze

Schule muss Schüler*innen mit den notwendigen Alltagskompetenzen für eine ökonomisch selbstbestimmte Lebensgestaltung ausstatten und für das spätere wirtschaftliche Leben sensibilisieren.

Unsere Forderungen für die finanzielle Bildung:

  • Mehr Vermittlung von Wissen über den Umgang mit Budgets und Schulden, Bankgeschäfte und Anbietervergleiche, Vermögensaufbau, Versicherungen, Steuern
  • Private Finanzplanung in allen Schularten
  • Ausbau des Fortbildungsangebots für Lehrkräfte
  • Verstärkte und flächendeckende Zusammenarbeit mit externen Expert*innen z. B. von der Verbraucherzentrale

Bisher spielt die finanzielle Grundbildung so gut wie keine Rolle an unseren Schulen. Wir ändern das! – Katharina Schulze

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unserer Studie, dem Pressepapier zur Studie oder dem grünen Konzeptpapier „Schule der Zukunft“.