Katharina Schulze

Fraktionsvorsitzende

Grüne Offensive für Kinderschutz

Starke Kinder – starke Eltern!

7. September 2020 in Anträge und Anfragen, Im Parlament | 1 Kommentar

Jedes Kind hat ein Recht auf Schutz vor physischer, seelischer, sexueller Gewalt oder Vernachlässigung. Dieses Recht wird aber nicht allen Kindern zuteil – immer wieder gibt es alarmierende Berichte über Gewalt und Übergriffe. Allein in Bayern wurden 2019 knapp 20.000 Fälle von Kindeswohlgefährdungen registriert. Wir Grüne möchten Kinderschutz zur obersten Priorität machen. Zusammen mit meinem Kollegen Johannes Becher habe ich heute ein umfangreiches Antragspaket (PDF) vorgestellt, um den Kinderschutz in Bayern weiterentwickeln und bestmöglich aufzustellen.

Viele Familien und Alleinerziehende sind oder waren durch die Corona-Krise auf sich allein gestellt, Alltagsstrukturen wie Kita, Schule oder Jugendhaus sind monatelang weggefallen, Hilfen von Außerhalb können oftmals nur eingeschränkt in Anspruch genommen werden. Wenn Risikofaktoren wie Suchtprobleme, psychische Erkrankungen, finanzielle Not oder Überforderung ohnehin schon Familien belasten, trägt die Corona-Krise zu einer weiteren Verschärfung bei. Kinder als schwächste Mitglieder unserer Gesellschaft sind dann oft die unsichtbaren Leidtragenden.

Wir wollen das Wohl der Kinder stärker in den Fokus politischen Handelns stellen! – Katharina Schulze.

Status Quo des Kinderschutzes in Bayern

Unser grünes Antragspaket (PDF) baut auf intensiven Expertengesprächen der vergangenen Monate auf: Anhörungen und Fachgespräche im Rahmen des Sozialausschusses des Bayerischen Landtags und der Kinderkommission mit Expertisen von Kinderschutzbund, Jugendämtern, des Bayerischen Jugendrings bis hin zur Kinder- und Jugendpsychiatrie und vielen mehr bilden unsere Grundlage. Zentrale Erkenntnis für Bayern: Mit unseren derzeitigen Kinderschutzstrukturen bewegen wir uns im gesamtdeutschen Vergleich im Mittelfeld. Das hat mehrere Ursachen.

Zum einen hinkt die (politische) Mitsprache und Beteiligung von unseren Kindern in Bayern meilenweit hinterher. Kinderschutz braucht aber genau das: die Bedarfe und Anliegen von Kindern müssen gehört und aufgenommen werden, unsere Kinder müssen gestärkt werden.

Kinderschutz ist in der Öffentlichkeit unterrepräsentiert und wird oft als Privatsache von Familien eingeordnet – er ist jedoch Pflicht und Aufgabe aller! – Katharina Schulze

Überforderung der Erziehungsberechtigten, Suchtprobleme und Gewalt sind auch in Bayern keine Seltenheit. Hier ist niemanden geholfen ein Außenbild von Familie als „heile Welt“ aufrecht so erhalten, sondern es braucht passgenaue Hilfen und keine Stigmatisierung von Familien, die sich Hilfe suchen. Gerade im Bereich der psychischen Gesundheit haben wir mit mangelndem Problembewusstsein und eklatanter Unterversorgung zu kämpfen.

Darüber hinaus fehlt uns der Überblick darüber, welche Strukturen bayernweit überhaupt existieren, wie sie verzahnt sind, welche Maßnahmen funktionieren und wie und vor allem von wem diese in Anspruch genommen werden.

Zusammen mit meinem Kollegen Johannes Becher und unserem Pressesprecher Holger Laschka bei der Pressekonferenz

10 Maßnahmen für besseren Kinderschutz

Wir Grüne bringen mit unserem Antragspaket zehn konkrete Lösungsvorschläge ein, wie wir mit unserem Kinderschutz zum bundesweiten Vorreiter werden und unseren Kindern in Bayern den Schutz verschaffen, den sie verdienen.

Antrag I (PDF): Kinderrechte in die Landesverfassung!

Die Stellung und Wahrnehmung von Kindern und ihrer Rechte muss in unserer Gesellschaft grundlegend gestärkt werden. Wir fordern die Aufnahme der Kinderrechte in die Landesverfassung. Wir wollen außerdem eine Verpflichtung zur Kinderbeteiligung verankern und das Vorrang des Kindeswohls bei allem staatlichen Handeln festschreiben. Die Bayerische Verfassung würde endlich den Ansprüchen der UN-Kinderrechtskonvention gerecht.

Antrag II (PDF): Kinderschutzbeauftragte*n einsetzen!

Mit der Einberufung einer*s unabhängigen Kinderschutzbeauftragte*n sorgen wir für weitere Stärkung von Kindern auf politischer Ebene. Die Person erarbeitet Vorschläge, wie die verfassungsrechtliche Verpflichtung zu Kinderrechten, -Beteiligung und Vorrang des Kindeswohls im Freistaat konkret umgesetzt werden, bündelt die verschiedenen Strukturen des Kinderschutz in einem Netzwerk und trägt zu kindgerechten Zugänge bei Hilfsangeboten bei. Der regelmäßige Austausch mit Kindern als Experten in eigener Sache bildet die Grundlage seiner Arbeit.

Antrag III (PDF): Kampagne starten!

Wir brauchen ein stärkeres Kinderbewusstsein in unserer Gesellschaft. Viele Kindeswohlgefährdungen geschehen im Verborgenen und kommen jahrelang nicht ans Licht. Die Frage, wo aufmerksame Freunde, Nachbarn, Vertrauenspersonen für diese Kinder waren, stellt sich immer wieder. Wir Grüne möchten eine öffentlichkeitswirksame Kampagne, die den Schutz von Kindern als Aufgabe und Pflicht aller verdeutlicht. Ziel ist eine gesellschaftliche Kultur des Hinsehens zu fördern und über konkrete Anlaufstellen für Hinweisgeber und Betroffene in Bayern zu informieren. Zudem möchten wir ab 2021 zum jährlichen Weltkindertag eine Themenwoche zum Kinderschutz ausrufen und bayernweit lokale Veranstaltungen und Aufklärungsarbeit finanziell fördern.

Antrag IV (PDF): Starke Strukturen!

Kinderschutz braucht starke Strukturen – z.B. Beratungsstellen, Kinderschutzzentren – und das flächendeckend in Bayern. Es fehlt aber an einem Überblick welche Fachberatungsstellen für häusliche, psychische, physische oder sexuelle Gewalt überhaupt in Bayern existieren. Ob thematisch oder regional blinde Flecken bestehen, lässt sich daher nicht sagen. Zum anderen ist die Wirksamkeit existierender Kinderschutz-Maßnahmen nicht untersucht. Die Frage, ob Kinderschutz in Bayern insgesamt gelingt, lässt sich also gar nicht beantworten. Wir Grüne fordern eine grundlegende Evaluierung der Kinderschutzstrukturen in Bayern, um zielgerichtete Verbesserungen abzuleiten.

Antrag V (PDF): Kinderschutzreport Bayern!

Gelingender Kinderschutz braucht eine regelmäßige Weiterentwicklung, hier darf es kein Ausruhen geben. Wir fordern daher einen Kinderschutzreport für Bayern, der alle zwei Jahre Entwicklungen im Kinderschutz aufbereitet, Versorgungslücken identifiziert und Handlungsempfehlungen ausspricht. Dabei ist die Expertise des/der Kinderschutzbeauftragte*n und von Wissenschaftler*innen einzubinden.

Antrag VI (PDF): Starke Kinder!

Kinder als Opfer von jedweder Gewalt müssen möglichst in die Lage versetzt werden, Anzeichen für Übergriffe und Missbrauch frühzeitig zu erkennen und dazu befähigt werden, Hilfe und Unterstützung aufzusuchen. Dazu müssen Präventionsprogramme wie „Trau Dich“ bayernweit ausgebaut werden. Die wichtigste Anlaufstelle bei Kindeswohlgefährdung, das Jugendamt, ist für Kinder selten eine Option. Wir Grüne möchten kindgerechte und schnelle Hilfe durch eine Kinder-App ermöglichen.

Antrag VII (PDF): Starke Eltern!

Kinder sind vor allem innerhalb der eigenen Familie dem Risiko einer Kindeswohlgefährdung ausgesetzt – durch überforderte Eltern, Drogensucht, Trennungskonflikte sowie psychische Erkrankungen. Wir Grüne möchten die Stigmatisierung von Hilfesuchenden verringern und Zugangswege zu Beratungsangeboten – insbesondere für eher bildungsferne Familien sowie für Familie mit geringer Deutschkompetenz – vereinfachen. Dafür müssen wir in einem ersten Schritt wissen, wie die Bekanntheit und Inanspruchnahme von bestehenden Familien- und Erziehungsberatungsstellen in Bayern aussieht und fordern die Staatsregierung auf, hier Klarheit zu schaffen.

Antrag VIII (PDF): Starke Fachkräfte!

Fachkräfte, die mit Kindern arbeiten – Lehrkräfte, Sozialpädagogen, Familienrichter – müssen im Kinderschutz fit gemacht werden. Oft sind sie wichtige Vertrauenspersonen für Kinder und achtsame Beobachter. Ihre Aus- und Fortbildungen sehen teilweise aber gar keine entsprechenden Module vor. Wir Grüne möchten einen Überblick, in welchen Berufsfelder Lücken im Kinderschutz bestehen und diese schließen.

Antrag IX (PDF): Starke Einrichtungen!

Ob bei den Pfadfindern, im Heim, im Sportverein oder in der Schule – Einrichtungen, in denen sich Kinder bewegen, brauchen wirksame Kinderschutz-Konzepte. Auch hier sind unsere Wissenslücken immens: wir wissen weder, in welchen Einrichtungen in Bayern Schutzkonzepte bestehen, noch ob diese in der Umsetzung funktionieren. Wir Grüne fordern hier eine grundlegende Evaluierung, um ausgehend von den Ergebnissen ein tragfähiges System für Kinderschutz in Einrichtungen abzuleiten.

Antrag X (PDF): Starke psychiatrische Versorgung!

Psychische Erkrankungen sind nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu-Thema – dementsprechend ist auch psychische Gesundheit als ein zentrales Feld des Kinderschutzes nicht im Fokus von Politik. Doch gerade in der psychiatrischen Versorgung in Bayern gibt es dringenden Nachholbedarf. Wir Grüne möchten ambulante Hilfen, Eltern-Kind-Tageskliniken ausbauen und besonders für Kinder psychisch kranker Eltern passgenaue Hilfestrukturen schaffen.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unserem Antragspaket (PDF).

1 Kommentar

  1. Liebe Katharina , lieber Johannes

    grundsätzlich erfreulich…aber leider erlebe ich in der Praxis auch Fälle, wo Kinder zu Unrecht aus der Familie genommen wurden.

    Bei bestimmten Nationen scheint es üblich zu sein z.b. Bulgaren..kaum geschafft einen Jugendlivhen in seine Familie zu integrieren.. obwohl der Familie immer noch keine größere Wohnung vermittelt werden konnte, wird schon wieder ein Kind vom Cousin in Obhut genommen.

    Nicht immer gehn wir Sozialarbeiter mit den Entscheidungen des Jugendamtes mit…manchmal arbeiten in den Bereich auch noch sehr unerfahrene Kollegen..

    Trifft es Behinderte Kinder wird meist fo getan als gäbe es keine Inklusion .Ein Vater holt seinen Jungen aus Serbien die Mutter drehte durch weil sie das behinderte Kind nicht annehmen konnte…ging zum Anwalt erfand Gewalt bzw die Anwältin sah das als Trick die Mutter zu schützen..der Junge wurde bis nach bayrisch Gmsin in ein Heim gebracht. Nach langen Auseinandersetzungen mit dem Gericht wurde der Junge nun dem Vater zugesprochen. Seitdem er aus dem Heim kam lebt der Junge richtig auf.

    Wer selbst mal in einem Heim gearbeitet hat weiß hier wird nur versucht eine familienähliche Situation zu imitieren. Optimal ist daa nicht, wenn auch Träger also die Fachleute mit denen ihr redet natürlich das nie sagen wurden . Die leben ja gut davon…

    Eine junge afghanische Frau hab ich versucht ins Frauenhaus zu bringen. Leider hatte dir noch nicht den entsprechenden Aufenthaltstitel. Die Odyssee über Erstaufnahmeeinrichtung und einem Asylheim war eine Katastrophe für sie. Eine junge Kollegin im Frauenhaus hatte nicht Rücksprache gehalten mit der Interventionsstelle im Jugendamt die hätte es gewusst da muss eine andere Lösung her.. die Regierung von Oberbayern hätte die nochmal eine Asylfolgeantrag stellen lassen….wen sie mich nicht angerufen hätte wäre sie ausgewiesen worden trotz Kind .Kommentar von der lag Migration: super!

    Deshalb kann ich dir /euch aus der Praxis sagen:
    Was die Leute brauchen ist vernünftige Wohnungen
    Niederschwellige Betreuung insbesondere für Migranten
    Zeitgemäße Elternprogramne die ihnen helfen gute Eltern zu sein
    Und vor allem ein nicht diskriminierendes Schulsystem .ohne Restauffangbecken Mittel und Förderschule traut euch doch mal endlich zu auch in Bayern die Schulart mit der besten Chancengerechtigkeit zu fordern Gemeinschaftschulen zwecks mir parallel zu Gymnasien und Realschulen!
    Stattet die mit vielen Sozialpädagogen aus .wie an der Gesamtschule München und .bildet die zu Inklusion aus ..
    Gute Bildung ist die beste Prävention!!

    Im München steht eine Modellschule im Kommunalwahlprogramm ..1 Schule für München is ja wohl ein Witz..auf Bundesebene wollen die bestimmte Quartiere ausstatten mit wieder nur einer Schule? Wer im Nachbarviertel wohnt hat Pech gehabt… jedes Kind muss Recht auf eine gute Kita und eine gute Schule haben und manche Eltern brauchen eine Schule die sie mehr unterstützt( nicht nur im Förderschulbereich da landen diese Kinder nämlich alle) und nicht die Arbeit auf die Familien abgewälzt dann senkst automatisch die Zahlen der Kindeswohlgefährdung .

    Ergo nicht auf die Verbanssvertreterlobby rein fallen.. wirklich für die Kinder einen großen Wurf..das wörs

    Liebe Grüße

    Linda

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