Katharina Schulze

im bayerischen Landtag

Standpunkt für die Bayerische Staatszeitung

Soll die Politik die Winterspiele in Sotschi boykottieren?

21. Januar 2014 in Aktuelles, Sport | Keine Kommentare

Die Absage des Bundespräsidenten ist ein mutiges Signal, das von der deutschen Bevölkerung mehrheitlich begrüßt wird. Die Vergabe der olympischen Winterspiele nach Sotschi war schon unter Umweltaspekten problematisch; die Menschenrechtssituation in Russland und die Diskriminierung Homosexueller durch die Regierung Putin werfen einen weiteren Schatten auf diesen Austragungsort. Deutlich wird, dass die Vergabepraxis des IOC hinterfragt und modernen demokratischen Gepflogenheiten angepasst werden muss. Die Hinterzimmer-Diplomatie der Sportverbände ist den Menschen zunehmend ein Dorn im Auge, wie auch die breite Ablehnung der Bevölkerung bei den Bürgerentscheiden für eine Münchner Olympiabewegung zeigte.

Wenn prominente Politiker der Veranstaltung in Sotschi fernbleiben, ist dies ein wirkungsvolles Signal, das auch in Russland gehört wird. Die jüngsten Begnadigungen für Regimekritiker wie den früheren Öl-Unternehmer Chodorkowskij oder die Sängerinnen von Pussy Riot sind eindeutiges Indiz hierfür. Wenn politische Vertreter auch aus anderen Nationen auf einen Besuch der Winterspiele verzichten, darf dies allerdings nicht als mangelnde Wertschätzung gegenüber den Sportlerinnen und Sportlern missverstanden werden. Viele von ihnen freuen sich zu Recht auf ihren Karrierehöhepunkt, spannende Wettkämpfe und den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt.

Zum sportlichen Wettstreit gehört allerdings auch die Freiheit, unterschiedliche Ansichten und Lebensformen offen ansprechen zu können und zu akzeptieren. Russland und das IOC wären gut beraten, wenn sie den Sportlerinnen und Sportlern diese Freiheit einräumen und auch politische Signale – etwa bei Siegerehrungen oder am Rande der Wettspiele – dulden würden. Die größte Sportveranstaltung unserer Zeit darf nicht zur durchgestylten Leistungsschau der Regierung Putin verkommen und damit zum Feigenblatt für Menschenrechtsverletzungen werden.

 

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