Katharina Schulze

Fraktionsvorsitzende

Antragspaket

Gute Bildung in Coronazeiten

6. Mai 2020 in Anträge und Anfragen, Im Parlament | 1 Kommentar

Die Corona-Krise zeigt wie durch ein Brennglas, wo es in der Bildungspolitik in Bayern noch hakt: Mangelhafte Digitalisierung, unklare Kommunikation und fehlende Ressourcen zur Bewältigung der neuen Schulrealität sind nur einige der Problemfelder. Zusammen mit meinen Kolleg*innen Gabriele Triebel und Max Deisenhofer habe ich deshalb heute ein Antragspaket (PDF) vorgestellt, mit dem wir gute Bildung auch in Coronazeiten sicherstellen können und Schüler*innen nicht den Anschluss verlieren.

Neue Schulrealität gestalten

Nachdem der Schulbetrieb in Bayern ab 16. März 2020 eingestellt wurde, begann das Lernen zuhause. Zuerst war die Lernplattform überlastet und dann gab es auch noch einen Hackerangriff. Anschließend hat man mehrere Wochen vom Minister keine klare Aussagen darüber bekommen, wie es weitergeht und jetzt – im Rahmen von Söders Ankündigungsfeuerwerk gestern – gibt es hauptsächlich Daten, wann wer wieder in die Schule kommen soll.

Einseitiges Schielen auf Schulöffnungen gefährdet die dringend notwendige Gestaltung der neuen digitalen Schulrealität. – Katharina Schulze

Was fehlt sind klare Aussagen zu den Bildungsinhalten, der Organisation und den Schutzmaßnahmen. Was soll in der Schule passieren, was zuhause? Wie kann sichergestellt werden, dass die Hygienemaßnahmen eingehalten werden? Wie wird die Schulfamilie bei der Umsetzung vom Kultusministerium unterstützt?

Klar ist, regulärer Unterricht wird ebenfalls noch lange nicht stattfinden können – Klassen müssen geteilt werden, der Lernstoff muss reduziert werden. Lernen zuhause wird weiterhin die Realität bleiben. Dieser neuen Schulrealität muss begegnet werden: Präsenzangebote an den Schulen und das Lernen zuhause brauchen klare inhaltliche Vorgaben und Rahmenbedingungen – beides muss eng miteinander verzahnt werden.

Die gesamte Schulfamilie braucht eine klare Kommunikation, ausreichend Ressourcen und genügend Vorlauf, um das neue Lernen organisieren zu können. – Katharina Schulze

Grünes Antragspaket für gute Bildung in Coronazeiten

Antrag I (PDF): Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen bei der Schulöffnung vorrangig berücksichtigen:

(Lern-) bedingungen zuhause gestalten sich sehr unterschiedlich. Die Corona-Krise trifft vorrangig Kinder und Familien, die vorher schon benachteiligt waren. Wir fordern bei einer schrittweisen Schulöffnung die Kinder und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien oder in einer besonderen Problemlage vorrangig zu berücksichtigen. Diesen Schüler*innen soll bereits ab dem 11. Mai 2020 die Möglichkeit gegeben werden, bei Bedarf an die Schule zu kommen. Lehrkräfte können hier ihre Einschätzung abgeben, Eltern ihren Bedarf anmelden.

Antrag II (PDF): Besonderer Schutz für Lehrkräfte, die zu Risikogruppe gehören:

Wir setzen uns dafür ein, dass Lehrkräfte, die zu Risikogruppen gehören oder mit besonders vulnerablen Personen in einem Haushalt leben, das Lernen zuhause unterstützen können und nicht zum Präsenzunterricht gezwungen werden. Das soll bis zum Schuljahresende und im kommenden Schuljahr gelten.

Antrag III (PDF): Günstigkeitsregelungen für Schülerinnen und Schüler beim Übertritt:

Schüler*innen der vierten Klassen dieses Schuljahrs können sich nicht wie gewohnt auf ihren Besuch auf die weiterführenden Schulen vorzubereiten. Auch ihren Notenschnitt können sie nicht mehr verbessern. Dem wollen wir begegnen: Der Notenschnitt, der bis zum 13.3.2020 festgehalten wird, soll im Rahmen eines Korridors nach oben korrigiert werden können. Der begünstigte Notenschnitt bildet gemeinsam mit dem Elternwillen und der pädagogischen Einschätzung die Empfehlung für die weiterführende Schule.

Antrag IV (PDF): Unverzüglich die reibungslose Funktion der Lernplattform mebis sicherstellen:

Die Corona-Pandemie zeigt, dass die Digitalisierung in der Schule bisher nicht richtig funktioniert. Denn nicht mal die hochgelobte bayerische Lernplattform mebis läuft stabil! Das ist aber Grundvoraussetzung für das Lehren und Lernen in der Corona-Krise. Deswegen müssen entweder die Serverkapazitäten nochmals ausgebaut werden oder eine dezentrale Serverstruktur aufgebaut werden.

Antrag V (PDF): Schüler*innen mit digitalen Endgeräten ausstatten:

Für das Lernen zuhause sind ein passendes digitales Endgerät und ein Drucker eine zwingende Voraussetzung. Familien, die bislang nicht über diese technische Ausstattung verfügen, müssen schnell und unbürokratisch finanziell unterstützt werden. Die Bundesregierung hat angekündigt 500 Mio. € hierfür bereitzustellen. Wir gehen davon, aus, dass diese rechnerischen 150 € pro Kind nicht ausreichen werden. Gegebenenfalls muss das Bundesgeld durch bayerische Gelder verstärkt werden oder Bayern in Vorleistung gehen.

Antrag VI (PDF): Schule in den Sommerferien 2020 öffnen – Konzept für „Sommerschule 2020“ auf den Weg bringen:

Die jetzige Notbetreuung an den Schulen soll vor Ort je nach Möglichkeit freiwillig zu einem Bildungs- und Betreuungsangebot für die Sommerferien 2020 weiterentwickelt werden. Angebote dieser „Sommerschule 2020“ sollen vorrangig für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche und Familien in Problemlagen offenstehen. Dazu können die Strukturen der bayernweit etablierten „Bildungsregionen“ genutzt werden.

Antrag VII (PDF): Lehrkräften Dienst-Rechner zur Verfügung stellen:

Nachdem die Haushalte entsprechend ausgestattet wurden, muss ferner darauf geachtet werden, dass auch alle Lehrkräfte besonders in der Corona-Krise über ein passendes digitales Endgerät verfügen, das unabdingbar ist für die Vorbereitung und die Durchführung des Unterrichts. So kann auch der nötige Datenschutz eingehalten werden.

Antrag VIII (PDF): Schulbegleitung für das Lernen zuhause einsetzen:

Es müssen jetzt die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Schulbegleiter*innen für das Lernen zuhause eingesetzt werden können, unabhängig davon ob diese über die Bezirke oder das Jugendamt beschäftigt sind. Dies ist eine wichtige individuelle Unterstützung und stellt die Teilhabe an der Bildung sicher. Die Verantwortlichen schieben sich seit Unterzeichnung der UN-BRK die Verantwortung hierfür gegenseitig zu. Die Familien und Kinder müssen dies nun ausbaden.

1 Kommentar

  1. Ich sehe das gerade an den drei Nachmittagen in der Woche, in denen ich nebenberuflich Nachhilfe gebe.
    Da sind Kinder, die am PC sitzen im Wohnzimmer, während kleine Geschwister daneben schreien. Die Eltern sitzen 1m daneben vor dem lauten TV.
    Und dann die mit eigenem Notebook, die auf die Frage nach einer Zeitung zum Üben die aktuelle
    Süddeutsche holen und die sagen, sie könnten auch den Spiegel aus dem Wohnzimmer nehmen.
    Die Bildungsschere ist real- dabei erlebe ich nur die, deren Eltern jede Woche Geld für Nachhilfe investieren und zumindest einen. PC besitzen.

    Aber alle bekommen die gleichen Aufgaben in der gleichen Bearbeitungsgeschwindigkeit.

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