Katharina Schulze

Grüne Spitzenkandidatin

Grüne Umfrage

Geschlechtergerechtigkeit ist noch lange nicht erreicht

18. April 2018 in Im Parlament | Keine Kommentare

Fotograf: Andreas GregorWir Grüne treten seit unserer Gründung für die Gleichstellung zwischen Frauen und Männern ein. Dazu gehört, dass Frauen genauso bezahlt werden wie Männer, dass Familie und Haushalt nicht nur an den Frauen hängen bleiben und dass klassische Frauenberufe ordentlich bezahlt werden. Die Betreuung von Kindern muss sich an die Lebensrealität der Eltern anpassen und nicht andersrum! Eine aktuelle Umfrage bestätigt diese Punkte.

Die Ergebnisse unserer repräsentativen Online-Umfrage für Bayern zeigen: Wir Grüne sind eindeutig in der Pole-Position wenn es um Frauenrechte geht. Bei den Befragten sind wir klar die Partei, die sich am stärksten für die Gleichberechtigung einsetzt. Es gibt noch viele Aufgaben um die Gleichstellung der Geschlechter voranzubringen. Wir bleiben dran!

Ergebnisse der Umfrage zu gleichen Rechten in Bayern

Wir haben in einer für die bayerische Bevölkerung repräsentativen Umfrage nach der Vereinbarkeit von Beruf, Familienleben und persönlichen Interessen einerseits und nach den Rechten und Chancen für Frauen und Männer andrerseits gefragt. Umfragezeitraum war der 22.3. bis 5.4. 2018, die Umfrage wurde per Online-Befragung durchgeführt. Die TeilnehmerInnen-Zahl lagt bei ca. 2.500 Personen. Hier die jeweiligen Fragen und die wichtigsten Ergebnisse:

Frage: Haben Ihrer Meinung nach Frauen und Männer in Bayern auch im Alltag die gleichen Rechte und Chancen?

Die Geschlechter unterscheiden sich bei dieser Frage deutlich: 55,7% der Männer sind der Ansicht, dass es im Alltag mehr oder weniger gleiche Rechte und Chancen gibt, während die Frauen dies mehrheitlich (47,1%) anders sehen. Auch Menschen mit formal niedriger Bildung sehen mehrheitlich den Anspruch nach gleichen Rechten und Chancen nicht erfüllt (47,6%). Knapp die Hälfte der Befragten bejaht diese Frage.

Frage: Welche Maßnahme würde aus Ihrer Sicht dafür sorgen, dass Frauen und Männer im Berufsleben die gleichen Rechte und Chancen haben?

Von den vorgegebenen Antworten rangiert „Gleiche Bezahlung für gleiche Chancen“ (56,6%) weit vor den anderen Möglichkeiten. „Bessere Bezahlung sozialer Berufe“ (20,7%) wird ebenfalls häufiger genannt, Forderungen nach Abschaffung des Ehegattensplittings (6,9%) oder Führungspositionen zur Hälfte an Frauen zu vergeben (2,6%) finden nur wenig Zustimmung.

Frage: Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, dass Frauen und Männer gleiche Rechte und Chancen haben?

In der Gesamtheit und über alle Gruppen hinweg wird dies von einer sehr großen Mehrheit bejaht: 82,9% antworten mit „Sehr wichtig“ (60,9%) oder „Eher wichtig“ (22%), nur knapp 10% verneinen die Frage, 7,4% sind unentschieden. Auffällig ist, dass vor allem ältere Befragte zustimmen, während unter jüngeren die Zustimmung etwas zurückhaltender ist.

Frage: Soll es gesetzlich vorgeschrieben sein, dass Frauen gemäß ihrem Anteil an der Bevölkerung im Bayerischen Landtag vertreten sein müssen?

Diese Frage wird von fast zwei Dritteln der Befragten verneint. Lediglich die Befragten mit Wahlabsicht Grüne oder Linke sind mehrheitlich für eine solche gesetzliche Lösung. Mit fast 68% ist die Ablehnung unter den männlichen Befragten deutlich ausgeprägter als unter den weiblichen (54,8%).

Frage: Welche Partei setzt sich aus ihrer Sicht im Bayerischen Landtag am stärksten für gleiche Rechte und Chancen von Männern und Frauen ein?

Hier nennen 26,4% Die Grünen, 22,9% die CSU, 11,5% die SPD, 8% die Freien Wähler, 31,2% sehen dies bei keiner der genannten Parteien. Mit Ausnahme der über 65-jährigen sind die Grünen in den Augen der Befragten aller Altersgruppen die Partei, die sich am besten für gleiche Rechte und Chancen einsetzt. Unter den Älteren, in ländlichen Gebieten und bei Personen mit formal niedriger Bildung wird dies eher der CSU zugetraut.

Frage: Wie gut lassen sich Ihrer Meinung nach in Bayern Beruf, Familienleben und persönliche Interessen vereinbaren?

Die Mehrheit sagt „Sehr gut“ (11,3%) oder „Eher gut“ (35,5%), ein knappes Drittel ist gegenteiliger Auffassung, ein Fünftel ist Unentschieden. In der Altersgruppe der 30-39-Jährigen – in der es wahrscheinlich besonders häufig um die Betreuung von sehr kleinen Kindern geht – herrscht mehrheitlich die Auffassung, dass sich Beruf, Familie und Persönliches „schlecht“ oder „sehr schlecht“ vereinbaren lassen. Sehr positiv wird die Situation von WählerInnen der CSU beurteilt, überdurchschnittlich negativ von WählerInnen der Grünen und der Linken.

Frage: Wie bewerten Sie die Vereinbarkeit von Beruf, Familienleben und persönlichen Interessen heute im Vergleich zu vor zehn Jahren?

Die Hälfte sieht Fortschritte, die andere Hälfte nicht. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten sieht eine Verbesserung in den letzten zehn Jahren, ein Drittel eine Verschlechterung, für den Rest hat sich nicht viel verändert. Während vor allem die jüngeren Befragten (18-39 Jahre) eher wenig Fortschritt sehen (bei den 18-29-Jährigen sagt verständlicherweise fast ein Viertel „weiß nicht“), bewerten v.a. die über 50-Jährigen die Situation heute deutlich besser als vor zehn Jahren.

Frage: Welche Maßnahme würde Ihrer Meinung nach die Vereinbarkeit von Beruf, Familienleben und persönlichen Interessen am meisten verbessern?

Am häufigsten genannt wird „Mehr Rücksicht der Arbeitgeber“ (25,2%), gefolgt von „Längere Öffnung der Kinderbetreuung“ (22,8%) und „Mehr Personal in der Kinderbetreuung“ (18,9%). Die Forderung nach geringen Gebühren für Kita und Hort schließen sich nur rund zehn Prozent an. Mehr Rücksicht der ArbeitgeberInnen fordern vor allem Jüngere (18-29 Jahre) und Männer, während Frauen und Befragte im Alter von 40-49 Jahren und über 65 Jahre (diese möglicherweise als Großeltern), besonders auf längere Öffnungszeit der Kinderbetreuung setzen.

Frage: Welche Partei setzt sich aus Ihrer Sicht im Bayerischen Landtag am stärksten für Vereinbarkeit von Beruf, Familie und persönlichen Interessen ein?

Mit rund 33 Prozent bekommt die CSU den stärksten Zuspruch. An zweiter Stelle stehen die Grünen mit 17%, gefolgt von SPD (12,9%) und FW (7,2%). Drei von zehn Personen antworten „Weiß nicht“. Bei den über 65-Jährigen ist die CSU besonders stark (38,7%), bei den 18-29-Jährigen die Grünen (23,6%).

Frage: Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach eine flächendeckende Geburtshilfe in Bayern durch ausreichend Geburtskliniken und Hebammen vor Ort?

Diese Forderung wird durchweg als „Sehr wichtig“ (60,9%) oder „Eher wichtig“ (25,3%) gesehen. Besonders nachdrücklich wird dies in Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte gefordert.

Frage: Erhalten Ihrer Meinung nach von Gewalt betroffene Frauen ausreichend Schutz, Hilfe und Beratung in Bayern?

Hier sehen die Befragten Defizite. Fast die Hälfte (47,1%) antwortet mit „Nein, auf keinen Fall“ oder „Eher nein“, ein Fünftel ist unentschieden, ein knappes Drittel antwortet mit „ja“ oder „Eher ja“. Dabei sehen Frauen (51,7%) häufiger Handlungsbedarf als Männer (42%). WählerInnen der CSU und FDP verneinen den Bedarf mehrheitlich, während die AnhängerInnen aller anderen Parteien mehrheitlich der Meinung sind, dass es nicht genug Schutz, Hilfe und Beratung gibt.

» Umfrageergebnisse (PDF): Gleiche Rechte von Frauen und Männern | Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Gleichstellung zwischen Frauen und Männern weiter fördern

Die Grünen machen immer und überall feministische Politik. Feminismus ist für mich ein eigenständiges Politikfeld und zugleich Querschnittsaufgabe. Nur eine selbstverständlich gelebte Geschlechtergerechtigkeit in Bayern sichert die Stabilität unserer Gesellschaft, baut das Potenzial unserer Wirtschaft aus und stärkt unsere Demokratie.

In den letzten 40 Jahren haben die Frauenbewegung und wir Grünen einen Wandel in Gesellschaft und Politik bewirkt. Aber es gibt noch viel zu tun: In Bayern ist der Lohnabstand zwischen Männern und Frauen von allen Bundesländern am größten und das Angebot an Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder besonders schlecht. Alle Diskriminierungen und Benachteiligungen von Frauen und Mädchen gilt es endlich zu beseitigen. Gleichstellung „passiert“ nicht von selbst, deshalb setzen wir uns dafür ein. Diese Umfrage bestätigt uns in unserem Handeln, daher lassen wir ihr erneut klare Forderungen folgen:

Vereinbarkeit von Familie und Beruf konkret verbessern

  • Massiver Ausbau der Kinderbetreuungsplätze: Wir wollen ein Investitionsprogramm zum bedarfsgerechten Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren und für Kinder im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt. (60 Mio Euro pro Jahr).
  • Längere Öffnungszeiten für Kitas bis mindestens 20 Uhr: Förderprogramm für Kitas mit längeren Öffnungszeiten von mehr als 45 Stunden pro Woche (28 Mio.) Die Sicherstellung der Kinderbetreuung in sogenannten Randzeiten ist eine wichtige Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Viele berufstätigte Eltern, dies gilt z.B. insbesondere für Alleinerziehende oder Menschen die Schichtdienst arbeiten, sind auf ausreichend lange und flexible Öffnungszeiten der Kindertagesstätten angewiesen. Kitas brauchen deshalb zusätzliche Anreize und Förderoptionen, um auch bei geringer Auslastung längere Öffnungszeiten anbieten zu können.
  • Abschaffung des Betreuungsgelds: Der Freistaat investiert als einziges Bundesland jährlich 235 Mio. € in ein landeseigenes Betreuungsgeld. Auch 255 Mio. € an Bundesmitteln, die eigentlich für den Ausbau der Kinderbetreuung vorgesehen waren, hat die Staatsregierung für das Betreuungsgeld verwendet. Wir halten dies für eine Zweckentfremdung von Bundesmitteln. Durch das Betreuungsgeld werden falsche familienpolitische Anreize gesetzt und insbesondere Frauen zu einer längeren Unterbrechung ihrer Berufstätigkeit ermuntert. Wir wollen das bayerische Betreuungsgeld deshalb auslaufen lassen und die frei werdenden Mittel zielgerichtet für Maßnahmen zur Verbesserung der Kinderbetreuung einsetzen.

Insgesamt haben also allein unsere Sofortmaßnahmen zum Ausbau der Kinderbetreuung ein jährliches Volumen von über 300 Mio.€.

Beruf der ErzieherIn attraktiver machen

  • Bezahlung der Ausbildung: Erzieherinnen und Erzieher sollen schon in der Ausbildung ein ordentliches Gehalt bekommen – und nicht nur ein Taschengeld.
  • Attraktive Arbeitsbedingungen: Wir fordern mehr Freistellungsmöglichkeiten für Leitungsaufgaben in Kindertageseinrichtungen und feste Verfügungszeiten für die ErzieherInnen für andere pädagogische Tätigkeiten (wie Teamsitzungen, Elterngespräche, Vor- und Nachbereitung der täglichen Arbeit, Dokumentation, sowie Fort- und Weiterbildung). Diese Verfügungszeiten sollten einen Umfang von 20 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit haben. Sie müssen bei der Berechnung des Stellenschlüssels und bei der Festsetzung des Basiswertes zur kindbezogenen Förderung berücksichtigt werden.
  • Entlastung in der Betreuung: Wir fordern eineN ErzieherIn für 10 Kinder anstatt wie bisher eineN ErzieherIn für 11 Kinder im Kindergarten und endlich einen verbindlichen Mindestschlüssel von einem Erzieher/einer Erzieherin zu 5 Kindern bei Kindern unter drei Jahren. Gerade die Kleinsten brauchen eine besonders intensive pädagogische Betreuung.

Damit investieren wir in Qualität. Wir Grüne wollen 220 Mio.€ jährlich für die Anhebung des förderrelevanten Mindestanstellungsschlüssels auf 1:10 (bisher 1:11) und eine Erhöhung des Gewichtungsfaktors zur Förderung von Kindern unter drei Jahren auf 3,0 (bisher 2,0) ausgeben.

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