Katharina Schulze

im bayerischen Landtag

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Diskussion um das „Denkmal für Trümmerfrauen“ in München

9. Dezember 2013 in Aktuelles, Gegen Rechts | 2 Kommentare

Am Donnerstag haben wir öffentlich das Münchner „Denkmal für die Trümmerfrauen und die Aufbaugeneration“ kritisiert. Hintergrund ist, dass in München – anders als in anderen großen deutsche Städten – zum weitaus überwiegenden Teil Alt-Nazis zu den Aufräumarbeiten zwangsverpflichtet wurden. Das Denkmal vermittelt einen völlig anderen Eindruck und dient unserer Meinung nach dazu, historische Tatsachen weichzuspülen und die Schuldigen am – von Deutschland ausgehenden – zweiten Weltkrieg und dem Holocaust reinzuwaschen.

Verhüllung des Denkmals am MarstallplatzNach Informationen des Münchner Stadtarchivs waren an den Aufräumarbeiten unter den 1.500 Personen in München 1.300 Männer und zu 90 Prozent ehemalige aktive Mitglieder in NS-Organisationen beteiligt. Dieser historisch unbestrittene und seitens der Staatsregierung bestätigte Tatsache wurde im Zusammenhang mit der Aufstellung des Gedenksteins am Marstallplatz in keiner Weise Rechnung getragen. Das unserer Ansicht nach von dem Gedenkstein ausgehende Signal ist ein pauschales Dankeschön an alle Beteiligten an den Aufräumaktionen, die allerdings bei genauerem Hinsehen größtenteils mitverantwortlich waren für die Gräuel des „Dritten Reichs“.

Auch im Münchner Stadtrat wurde das Thema schon mehrfach diskutiert und vier Mal hat der Stadtrat die Errichtung eines Denkmals auf städtischen Grund aus den oben genannten Gründen abgelehnt. 2007 äußerte sich der Ältestenrat zuletzt zu diesem Thema und befand, dass es den Begriff „Trümmerfrauen“ in München nie gegeben habe  – und deswegen ein Denkmal in München nicht passend sei. Das bayerische Kultusministerium hat jedoch einen Gestattungsvertrag mit dem Verein geschlossen, der die Errichtung des „Denkmals“ auf staatlichen Boden ermöglicht hat.

Der für die Aufstellung des Gedenksteins zuständige Minister Ludwig Spaenle (CSU) ist selbst Historiker und weiß um die fatale Wirkung einer falschen Erinnerungskultur. Die öffentliche Diskussion der letzten Tage hat gezeigt, dass sich insbesondere rechte Kreise durch die – selbst befeuerte – Kritik an der Aktion bestätigt sehen und eine Verbindung zu einem rechtsradikalen Geschichts- und Gegenwartsverständnis herstellen. Die Aufräumarbeiten in München sind nicht vergleichbar mit dem bewundernswerten Einsatz der Trümmerfrauen in anderen deutschen Städten.

Wer sich mit dem Thema Trümmerfrauen noch weiter beschäftigen möchte, dem empfehle ich die Antwort des Ministers Spaenle auf eine schriftliche Anfrage von Sepp Dürr

sowie diese Zeitungsartikel:

2 Kommentare

  1. finde den Einsatz von Katharina Schulze und Sepp Dürr sehr mutig !
    Tolle Menschen, solche Politiker von diesem Format könnten wir
    mehr gebrauchen. Die trauen sich noch Wahrheiten beim Wort zu
    nennen, und rennen nicht einem falschen Denken hinter her

    Hut ab, Respekt !

    LG :-)

    Georg

  2. Es ist – gelinde gesagt – erschreckend, mit ansehen zu müssen, wie viel Ferment noch aus der Zeit der deutschen Wochenschau im öffentlichen Diskurs der Jetztzeit aktivierbar ist. Nur weniges Rühren an der Oberfläche genügt und vom Boden jenes „Mare intellectualis germanorum“ steigt der Satz in trüb bräunlichen Wolken auf.
    Weil es nun aber angenehmer ist sich in klarem Wasser fortzubewegen, kann es dennoch nicht statthaft sein, sich des Rührens zu enthalten. Nachdem die Vorgänge der letzten beiden Monate hinreichend bewiesen haben, dass zwischen dem (in dieser Sache nun nicht eben revolutionär neuen) Forschungsstand der Geschichtswissenschaft und seiner Kommunikation an die Bürgerinnen und Bürger unserer Republik leider eine erhebliche Diskrepanz herrscht, bleibt mir nur ihnen meine Bewunderung für ihren Mut mit dem Appell „Rühren sie weiter!“ auszusprechen. Auch und gerade die Anfeindungen, die Sie erfahren haben sprechen Bände darüber, wie zielgenau hier eines der konstitutiven Bestandteile des Mythos getroffen wurde. Dabei beziehe ich mich ausdrücklich nicht nur auf den Mythos der Trümmerfrauen, sondern auch auf den allgemeinen, welchen man nun nach Geschmacksrichtung bevorzugter Theoriegenese als solchen, als Diskurs, im scheußlichen Stein des Denkmals Dispositiv, nach ANT Netzsektor, oder meinetwegen „strukturalistischen bis poststrukturalistischen Streuselkuchen“ nennen mag.

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