Katharina Schulze

Fraktionsvorsitzende

Schriftliche Anfrage

Alkoholmissbrauch in Bayern

2. August 2020 in Anträge und Anfragen, Im Parlament | Keine Kommentare

Zusammen mit meiner Kollegin Christina Haubrich habe ich eine Schriftliche Anfrage (PDF) zum Thema Alkoholmissbrauch in Bayern an die Staatsregierung gestellt. Die Ergebnisse sind alarmierend. Etwa 251.00 Menschen in Bayern waren 2018 alkoholkrank, 1.554 Menschen sind 2017 an Alkoholmissbrauch gestorben. Große Sorge bereitet mir auch die stetig steigende Zahl gewalttätiger Übergriffe unter Alkoholeinfluss gegen unsere Polizei und Rettungskräfte.

Etwa Viertelmillion der Bayer*innen alkoholkrank

Insgesamt sind in Bayern im Jahr 2017 (neuere Daten liegen noch nicht vor) 1.554 Menschen an „alkoholbedingten Krankheiten“ gestorben, Oberbayern wies mit einem Anteil von 551 Personen am meisten Fälle aus. Der Männeranteil lag bei 72 Prozent (Jahr 2017). Die Dunkelziffer mag weit höher liegen – die deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. geht von bundesweit jährlich 74.000 Sterbefällen aus, die durch Alkoholkonsum (mit-) verursacht werden. Das wären für Bayern runtergerechnet ca. 11.000 – 12.000 Todesfälle.

Im Jahr 2018 wurden laut dem Epidemiologischen Suchtsurvey etwa 251.0000 Personen in Bayern, davon 182.000 Männer und 69.000 Frauen in der Altersgruppe der 18 bis 59 – jährigen als alkoholkrank eingestuft.

Wir müssen das Problembewusstsein bei der Gesellschaftsdroge Alkohol schärfen und die nach wie vor viel zu hohen Zahlen an Alkoholabhängigen senken. – Katharina Schulze

9 Prozent aller Straftaten in Bayern unter Alkoholeinfluss

In 2019 wurden 603.464 Straftaten in Bayern erfasst, unter Alkoholkonsum wurden 54.056 registriert. Die Fälle der Straftaten unter Alkoholeinfluss sind im Vergleich zu 2016 um 7 Prozent gesunken. Im Bereich der Gewaltkriminalität wurden im Jahr 2019 19.953 Delikte gelistet, von denen 5.655 Fälle durch alkoholisierte Tatverdächtige begangen wurden. Somit wurden 2019 28 Prozent der Gewaltdelikte unter Alkoholeinfluss begangen. Insgesamt sind alkoholisierte Gewalttaten leicht zurückgegangen, 2016 haben 36 Prozent der Gewaltdelikte unter Alkoholeinfluss stattgefunden.

Alkoholisierte Gewalttaten gegen Polizei und Rettungskräfte nehmen zu

Fälle, bei denen Polizeibeamt*innen angegriffen wurden und die Täter*innen alkoholisiert waren, haben jedoch seit 2016 zugenommen (ausgenommen: Oberpfalz und Oberfranken). 2018 wurden in Oberbayern 1.182 Fälle gemeldet und im Jahr 2019 bereits 1.319 Angriffe auf Polizeibeamte unter Alkoholeinfluss erfasst. (Schaut man noch weiter zurück, so ist es seit 2016 ein Plus um knapp 15 Prozent).

Auch Rettungskräfte sind von solchen Delikten betroffen. So haben in Oberbayern Fälle, bei denen Rettungskräfte angegriffen wurden, um 47 Prozent seit 2016 zugenommen (36 Fälle im Jahr 2016, 53 registrierte Angriffe in 2019). Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer weit höher liegt. In Mittelfranken sind die Angriffe sogar um 83 Prozent gestiegen seit 2016 ( 2012: Fälle im Jahr, 2016: 18 Fälle, 2019: 33 Fälle). Männer der Altersgruppe der 30-40-jährigen sind als Täter in der Überzahl.

Große Sorge bereitet mir die stetig steigende Zahl gewalttätiger Übergriffe unter Alkoholeinfluss gegen unsere Polizei und Rettungskräfte. Es darf nicht sein, dass die, die anderen helfen selbst angegriffen werden. – Katharina Schulze

Hier verselbstständigt sich ein vor allem unter jüngeren Männern verbreitetes Problem – dagegen muss die Staatsregierung umfassend und konkret vorgehen. Alkoholpräventionsprogramme müssen deshalb schwerpunktmäßig zielgruppengerecht auf Männer zugeschnitten sein – manche sind unter Alkoholeinfluss eine Gefahr für die Allgemeinheit und sich selbst.

Zahl von Alkoholkranken in Maßregelvollzug steigt

Die Anzahl von Patient*innen, die aufgrund von Alkoholmissbrauch in Behandlung sind, ist seit 2014 um 15,4 % gesunken. Im Jahr 2018 gab es in Bayern ca. 54.000 stationäre Behandlungsfälle der Gruppe „alkoholbedingte Erkrankungen“. Davon waren in der Altersgruppe der 0 bis 20-jährigen 4.214 Krankenhausfälle zu verzeichnen. Die gefährdete Gruppe der Jugendlichen erreichen wir am besten über ihre Familien. Dort darf Alkohol nicht länger als akzeptierte Freizeitdroge verharmlost werden.

Wir müssen die verheerenden Folgen des Alkoholkonsums für das gesellschaftliche Zusammenleben und die Gesundheit der Betroffenen stärker öffentlich thematisieren. – Katharina Schulze

Bei Personen, die wegen Alkoholsucht im bayerischen Maßregelvollzug untergebracht sind, ist die Zahl im Zeitraum zwischen 2016 und 2018 um 55% gestiegen. Der Anteil der untergebrachten Personen wegen Trunksucht, gemessen an den insgesamt im Maßregelvollzug untergebrachten Personen, lag im Jahr 2018 bei 7,6% (2016: 5,4%).

Weniger Todesfälle durch Alkohol im Straßenverkehr

Erfreulich ist, dass die Zahl der bei Alkoholunfällen getöteten Personen im Autoverkehr im Jahresvergleich von 2018 bis 2019 in allen Bezirken gesunken ist. Die Zahl der Verletzten durch Unfälle unter Alkoholeinfluss ist jedoch leicht gestiegen.

Weitere Details entnehmen Sie bitte unserer Schriftlichen Anfrage (PDF).

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