Katharina Schulze

im bayerischen Landtag

Alleinerziehende

Ihre Antwort. Meine Ausführungen.

7. März 2018 in Im Parlament, Unterwegs | 11 Kommentare

Alleinerziehende brauchen mehr Unterstützung von Staat und Gesellschaft.

Ich möchte, dass es keinen Unterschied in unserer Gesellschaft macht, ob jemand alleinerziehend ist oder nicht. Wir Grüne stellen dabei das Wohl der Kinder und des Alleinerziehenden Elternteils (meistens sind es die Frauen) sowie infrastrukturpolitische Maßnahmen in den Mittelpunkt. Wir haben konkrete Vorschläge, wie Alleinerziehenden entlastet werden können. Meine Antwort auf den Blogpost von Mama Streikt an mich. 

Liebe Mama Streikt,

Alleinerziehende dürfen nicht Familien zweiter Klasse sein, das habe ich bei meiner Rede im Bayerischen Landtag deutlich gemacht. Neben der Darstellung, welche vielen Herausforderungen Alleinerziehend jeden Tag leisten, skizzierte ich verschiedene politischen Lösungsmöglichkeiten. Darüber hinaus organisieren wir Grüne ein Vernetzungstreffen für Alleinerziehende am 20.03.2018 im Bayerischen Landtag – zu dem alle herzlich eingeladen sind! Ziel ist es, sich auszutauschen und gemeinsam weitere Lösungen zu suchen. Schade, dass Sie nicht live vor Ort dabei sein können. Danke deswegen für Ihre Gedanken schon im Vorfeld per Blogpost von Mama Streikt, die wir natürlich in unsere Ideensammlung mit aufnehmen werden.

Hut ab vor den täglichen Herausforderungen, die Sie jeden Tag meistern! Danke für die bildliche Darstellung, wie bei Ihnen ganz konkret die Situation aussieht, so konnte ich mir das sehr gut vorstellen.

Gerne führe ich meine Forderung, es muss in Bayern Betreuungsangebote bis mindestens 20 Uhr geben genauer aus (Von 22 Uhr habe ich übrigens bisher nicht gesprochen, 24h-Kitas mit Übernachtungsmöglichkeiten finde ich ebenfalls sehr sinnvoll). Flexibilität ist der Schlüssel, weil jede Familie andere Bedürfnisse hat. Das beginnt bei der Mutter, die Schicht arbeitet und deswegen vormittags mit ihrem zweijährigen Kind daheim ist und Bindungsarbeit leistet, dafür aber abends länger in der Arbeit ist. Das geht weiter mit der Mutter, die zeitweise ein intensives Projekt in der Arbeit zu erledigen hat und die Abholzeit um 15.00 Uhr nicht schafft. Sie ist entspannter, weil sie weiß, dass sie während der heißen Projektphase auch mal um 18.00 Uhr ihre Kinder abholen kann.

Was ich damit sagen möchte: Niemand muss sein Kind bis 20 Uhr in die Betreuungseinrichtung geben! Aber falls es nötig ist, muss es Angebote dafür geben. Dafür muss die Politik sorgen.

Deswegen haben wir Grünen unser Förderprogramm für Kitas mit längeren Öffnungszeiten in die Haushaltsverhandlungen des Landtags eingebracht (hier unten nachzulesen). Wir können nicht daraufsetzen, dass die Großeltern, FreundInnen oder weitere externe Betreuungsangebote (die auch wieder viel Geld kosten), greifbar sind. Wir müssen Flexibilität ermöglichen und Müttern und Vätern Stress abnehmen. So steigern wir nebenbei auch noch die Wahlfreiheit, weil vielleicht dadurch Jobs für manche Frauen attraktiv werden, die sie davor nicht hätten machen können.

Ich finde Ihren Hinweis auf das wichtige Thema „Bindung“ und die Aufforderung nach Erziehungsarbeit und Bindungsarbeit der Eltern richtig und wichtig. Da haben Sie total Recht! Aber auch da gilt die Maxime: Es gibt nicht eine Lösung, die für alle Familien genau passt, weil jedes Kind und jeder Elternteil anders ist und andere Bedürfnisse hat. Der Staat hat in meinen Augen auch kein Recht sich einzumischen und „Bindungsarbeitskonten“ bereitzustellen. Er muss Wahlmöglichkeiten bereitstellen, indem er zum Beispiel für gute und umfassende Betreuungsangebote sorgt, die flexible Vollzeit ermöglicht (ein Rahmen, in dem ich auch mal weniger arbeiten kann, wenn mehr Beziehungsarbeit gefordert ist), das Recht auf Homeoffice einführt, etc.

Was Sie zum Thema Vollerwerbsarbeit geschrieben haben, unterstreiche ich. Leider schützt nicht jede Vollerwerbsarbeit vollständig vor Altersarmut. Sehr oft schützt sie und manchmal mildert sie die Armutsfalle wenigstens ein bisschen ab. Das ist ja schon mal was, reicht aber natürlich nicht. Und ja: Es ist eine Schande, dass gerade die sogenannten Frauenberufe, so schlecht bezahlt sind. Das muss sich dringend ändern.

Wenn ich eine „Care-Arbeit“ als Beispiel hernehmen darf: Wir Grüne haben uns erst letzte Woche wieder intensiv mit dem Thema ErzieherInnen auseinandergesetzt und ein Maßnahmenpaket dazu beschlossen. Das sieht unter anderem vor, dass ErzieherInnen schon in der Ausbildung ein ordentliches Gehalt bekommen und nicht weiter mit einem Taschengeld abgespeist werden dürfen. Außerdem eine Fachkräfte-Offensive durch ein Bundesprogramm zur Aufwertung des Berufsfelds, sowie verstärkt Fortbildungsmöglichkeiten, die dann auch zu mehr Gehalt führen müssen, vorgesehen. Ich glaube, dass dies die richtigen Weichenstellungen sind.

Sie haben das Thema „Familienarbeit als Arbeit“ anerkennen ins Spiel gebracht. Wenn ich Sie richtig verstehe, hätten sie gerne eine sozialversicherungspflichtigen Gehalt für Familienarbeit? Das würde eine komplette Umstellung unseres bisherigen Sozialversicherungssystems erfordern. Meine Meinung dazu: Das wird so schnell sicher nicht kommen und die Frauen brauchen JETZT Unterstützung und Entlastung. Wir müssen kurz- und mittelfristig das extrem hohe Armutsrisiko von Alleinerziehenden senken, das hat für mich Priorität.

Deswegen würde ich da schrittweise vorgehen: Beginnen wir mal mit einer bessere Anerkennung häuslicher Fürsorgearbeit, zum Beispiel bei der Rentenanrechnung. Das Armutsrisiko senken wir auch, indem wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern (ausführlicher Antrag von uns Grünen hier) und bessere familienpolitische Leistungen für Alleinerziehende und ihre Kinder einführen. Stichworte sind hier die Kindergrundsicherung, ein Familienbudget statt Ehegattensplitting, Umgangsmehrbedarf in der Grundsicherung nach dem SGB II, steuerliche Entlastung von Alleinerziehenden durch einen höheren Freibetrag, höhere Unterhaltsvorschussleistungen, usw. (unseren Grünen Antrag können Sie hier nachlesen).

Vielen Dank für den Austausch! Falls es noch Anmerkungen gibt, einfach melden oder hier drunter kommentieren.

Herzliche Grüße

Katharina Schulze

11 Kommentare

  1. Sehr geehrte Frau Schulze, was Sie (bzw andere Politiker) umsetzen können, wäre das Unterhaltsrecht auf die Bedürfnisse der Kinder anzupassen. Derzeit wird eine Mutter (wenn Alleinerziehend) dazu verpflichtet, ab dem 3.lebensjahr Vollzeit zu arbeiten. Diese Regelung ist nicht kinderfreundlich.
    Ich verstehe, dass es eine Regelung geben muss, auch der Mutter bezahlter Arbeit nachzugehen. Eine 80 %stelle ist aber auch hier eine gute, bessere Forderung. (des Gerichts, bzw. des zahlenden Vaters.)
    Das Kindswohl ist so auch erkennbar, es wird damit gezeigt, dass Sorge Arbeit berücksichtigt wird, die Mütter finden Anschluss im Beruf, und beide Eltern erkennen Ihren finanziellen und zeitlichen Teil an.

    • Sehr geehrte Frau Lindner,

      danke für Ihre Rückmeldung!

      Wir Grüne wollen die flexible Vollzeit, die in meinen Augen genau das trifft, was sie gut finden: Wir brauchen eine neue Arbeits- und Zeitkultur, das starre Leitbild von Vollzeit soll aufgeknackt werden. Die grüne Bundestagsfraktion schlägt einen Vollzeit-Arbeitszeitkorridor im Bereich von 30 bis 40 Stunden vor. Innerhalb dieses Korridors sollen Beschäftigte – unter Einhaltung von Ankündigungsfristen – bedarfsgerecht ihren Arbeitszeitumfang bestimmen können. Nur dringende betriebliche Gründe sollen das verhindern können. Die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und privaten Bedürfnissen und Verpflichtungen wird erleichtert. Die Grenze zwischen Teilzeit- und Vollzeitarbeit wird fließender, das Normalarbeitsverhältnis offener und der Diskriminierung der Teilzeit entgegengewirkt. Motivation und Engagement der Beschäftigten wachsen. Ein Arbeitsumfang von 30 Stunden plus wird interessanter, dagegen verlieren Halbtagsjobs an Attraktivität. Mehr Infos hier: https://www.gruene-bundestag.de/zeitpolitik/flexible-vollzeit-damit-alle-ihre-arbeitszeit-beweglicher-gestalten-koennen-10-03-2016.html Würde das ihrer Idee entgegenkommen?

      Leider regieren wir Grüne in Berlin nicht mit, darum wurde bisher unser Vorschlag von den anderen Parteien abgelehnt.

      Viele Grüße
      Katharina Schulze

  2. Liebe Frau Schulze, leider gehen die Vorschläge der Grünen an den Nöten und Bedürfnissen Alleinerziehender oft vorbei. Ich bin selbst Mitglied, kann aber das Wort Betreuung nicht mehr hören. Vollzeit zu arbeiten mit Kleinkind ist unglaublich kräftezehrend, auch mit Kitaplatz. Wichtig wären finanzielle Absicherung auch bei längerer Pause, gesicherter Wiedereinstieg, Förderung von Teilzeit, vor allem aber ein Ende der Missstände beim Vater-Unterhalt. In der Realität kommen Väter davon, ohne zu zahlen, oder zahlen wenig, unbehelligt von Behörden (nur wenige Ausnahmen) können aber ungestört arbeiten gehen. Auch die UmgangsPFLICHT an Wochenenden und in Ferien muss gegeben sein, damit die Mütter sich erholen können. Vor allem aber: Beim Herumreiten auf Kitaplätzen wird übersehen, dass die Kitazeit noch Gold ist gegen Schule. Kinder brauchen ihre Eltern, nicht nur abends, bis zur Volljährigkeit. Die Bedürfnisse wachsen oft mit. Schulstoff, Pubertät, Zukunftsplanung etc, und die Kosten steigen mit. Immer nur über Geld für Kitaplätze zu sprechen, klingt toll, hilft aber nur für einen Bruchteil der Probleme und lässt die meisten Alleinerziehenden im Stich.

    • Liebe Heide,

      schön, dass du bei uns Grünen Mitglied bist, dann können wir uns ja duzen! An welchen Punkten machst du denn fest, dass unsere Forderungen an den Bedürfnissen der Alleinerziehenden vorbei geht? Haben andere Parteien in deinen Augen das Thema mehr auf dem Schirm oder bessere Ideen?

      Ich persönlich glaube auch, dass man Alleinerziehenden nicht nur durch mehr Betreuungsangebote hilft (habe ich ja auch nie so gesagt), aber es ist ein Baustein. Und ja, mehr Betreuungsangebote ist ja nicht nur für Frauen die Vollzeit arbeiten (müssen) sinnvoll, sondern auch für Frauen die Teilzeit oder 70 oder 80% arbeiten von Interesse.

      Du hast Recht, dass man nicht nur den Kita- und Kindergartenbereich bei der Betreuung anschauen darf, in der Schulzeit gilt das ja weiterhin. Deswegen müssen dort die Ganztagsschule, Hort und Mittagsbetreuung ebenfalls massiv ausgebaut werden. (Ferienzeiten nicht vergessen!) Anders geht es gar nicht und dafür muss der Staat Geld in die Hand nehmen.

      Wir wollen ja auch einen gesetzlich abgesicherter Anspruch auf befristete Teilzeit und ein Recht auf Rückkehr von einer befristeten Teilzeitbeschäftigung in eine Vollzeitbeschäftigung, so dass die Frauen die Wahl haben. Und mit dem Modell der flexbilen Vollzeit soll ja grad die Möglichkeit geschaffen werden, teilweise auch weniger zu arbeiten und dann wieder mehr, je nachdem wie gerade die Situation daheim ist.

      Ich habe in dem Artikel ja noch andere Punkte angesprochen, die Situation lässt sich nicht mit einer Maßnahmen lösen, da muss man an verschiedenen Stellschrauben drehen. Und nicht jede Stellschraube ist Landesaufgabe, das kommt auch noch erschwerend hinzu. Und als Grüne weißt du ja selbst, wie ermüdend es ist, dass die eigenen Vorschläge immer von der Regierungspartei abgelehnt werden. Ich verspreche dir aber, ich bleibe dran! Und am 14.10. können wir in Bayern ja einen neuen Landtag wählen!

      Liebe Grüße
      Katharina

  3. Liebe Frau Schulze,
    bei einem Termin wie dem am 20.03. fängt es leider schon wieder an, dass unsere Umstände nicht berücksichtigt werden: Ich bspw. wohne in Oberfranken. Um teilnehmen zu können, müsste ich mein Kleinkind über Nacht irgendwo unterbringen und Urlaub nehmen. Für ersteres fehlen die Möglichkeiten, für zweiteres der Urlaub, den ich brauche um Kitaschließzeiten auszugleichen.

    Wenn ein Umdenken stattfinden soll, müssen auch solche Dinge berücksichtigt werden.

    Lösung: Solch ein Meeting kann auch online stattfinden. Die Resonanz der Alleinerziehenden die nunmehr zuhause bleiben und trotzdem teilnehmen können, wäre um ein Vielfaches höher.

    Vllt. wäre dies ein Denkanstoß. Technisch ist das in der heutigen Zeit ein „Kinderspiel“.

    Vielen Dank!
    Katharina Kuttig

    • Liebe Frau Kuttig,
      Vielen Dank für ihre Kommentar. Es stimmt nicht, dass die Umstände nicht berücksichtigt wurden. Über den passenden Termin haben wir uns sehr lange im Team Gedanken gemacht. Doch lieber an einem Samstag? Oder später am Abend? Oder Freitag Nachmittag? Egal wie wir es gedreht oder gewendet haben, für alle Termine gab es Gründe, die nicht passen. Und ja, die Veranstaltung ist in München, weil da nun Mal der Landtag ist. Es ist mir klar, dass das und der Termin für einige Frauen deswegen ein Hinderniss ist um daran teilzunehmen. Den Landtag können wir nicht verschieben, wir bieten aber eine Kinderbetreuung während der Veranstaltung an. Damit hoffen wir, dass wir es für manche Frauen ermöglichen, auch mit Kind vorbeizukommen. Sie sehen also, wir haben uns intensiv Gedanken gemacht. Das Thema „Onlinestreaming“ nehmen wir gerne als Anregung für die nächste Veranstaltung mit. Wir veranstalten zum ersten Mal so ein Vernetzungstreffen (meiner Kenntnis nach hat das noch nie eine Partei im Landtag gemacht), deswegen gibt es sicher immer noch Verbesserungsmöglichkeiten. Es wird auf jeden Fall eine Dokumentation der Veranstaltung geben, die wir auch veröffentlichen. Ich bin dann auf ihre Kommentare und Anregungen gespannt!
      Herzliche Grüße
      Katharina Schulze

  4. Sehr geehrte Frau Schulze,

    ichh begrüße Ihre Vorstöße, bin aber in vielen Punkten der Meinung, dass sie zum einen nicht weit genug gehen, zum anderen nicht umfassend genug sind. Als ehemalige Münchnerin, die vor fast 10 Jahren aufs Land gezogen ist, habe ich am eigenen Leib gemerkt, was es heißt, wenn bei einer Vollzeitstelle der Kindergarten freitags um 12:00 Uhr schließt – und meiner schloss „wenigsten“ Montag bis Donnerstag erst um 16:00 Uhr – wobei sich jeder ausrechnen kann, dass das auch keinesfalls reicht, schon gar nicht, wenn Fahrzeiten hinzukommen. Ohne familiäre Unterstützung und auch ohne Netzwerk blieb mir nichts anderes übrig als privat eine Kinderfrau zu beschäftigen. Ich suchte mir also eine Kinderpflegerin und stellte sie mit 50% ein. Das ging nicht lange gut, denn ihr Gehalt mit Lohnnebenkosten (!) und unsere Wohnung waren mehr als mein Netto in einer Führungsposition. Und steuerlich konnte ich das auch „nur“ unter haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen, was in Euro und Cent wenig bringt. Jeder Jung-Anwalt, der eine Kanzlei eröffnet, darf eine Teilzeit-Sekretärin, Buchhaltungskraft oder was auch immer zu 100% mit seinem Ertrag verrechnen. Eine Mutter (oder auch Eltern) darf das mit Kinderbetreuung nicht. Das wäre mal eine Änderung wert.
    Eine weitere Änderung betrifft die Besteuerung überhaupt. Das Ehegattensplitting muss durch ein Familiensplitting ersetzt werden. Die Lohnsteuerklasse 2 für AlleinErziehende ist eine Zumutung. In 2016 hat sich der Freibetrag für AE bei mir mit 110 Euro ausgewirkt. Für 2 Kinder. Für ein ganzes Jahr. Dürfte ich mein älteres Kind heiraten, hätten wir jeden Monat etwa 750 Euro mehr. Das heisst ein angetrauter Erwachsener ist dem Staat über 700 Euro mehr wert als ein Kind. Kinder sind aber die künftigen Steuerzahler und Rentenverdiener. Und sie sind „teurer“ als Erwachsene. Sie wachsen bspw., das heisst in vielen Jahren zweimal sämtliche Klamotten neu. Und Schuhe: Sandalen, Halbschuhe, Winterstiefel, Gummistiefel, Turnschuhe, Turnschläppchen, Hausschuhe. Und wenn Sie dann noch ein Sommer- und ein Winterkind haben, können sie das auch nicht vererben. Ich habe mehrere Jahre lang gut 20 Paar Schuhe gekauft. Jedes Jahr. Da muss man schon obere Mittelklasse verdienen, um single-besteuert genug für drei zu haben.
    Und deshalb mache ich mich auch für das von Claire Funke vorgeschlagene Betreuungs-Gehalt stark. Als ich vor etwa zwei Jahren ins Krankenhaus sollte und nach einer Betreuungslösung für meine zwei Kinder suchte, hat mir der örtliche Dienst ausgerechnet, dass sie dafür 3,5 Vollzeit-Kräfte brauchen. Nur um mich in Haushalt und Betreuung meiner Kinder zu ersetzen. Ohne meine Erwerbsarbeit. Da erst ist mir klar geworden, dass ich als allein erziehende Mutter letztlich 4,5 Vollzeit-Stellen habe (mit der Erwerbsarbeit). Schön. Kann ich mir auf die Schulter klopfen, aber für die Care-Arbeit bekomme ich nichts. In meinem Fall nicht einmal Rentenpunkte. Denn ich habe in der Elternzeit 80% gearbeitet und mit meinem Gehalt bereits die Obergrenze der Rentenpunkte ausgeschöpft. Für die Kinder keine Punkte extra. Warum nicht? Und leider musste ich auch so viel arbeiten, weil die KiTa so teuer war (wir hatten immerhin einen Platz, aber eben in einer privaten!). Neben dem Ausbau wären die Kosten auch ein Thema. In Berlin müssen Sie nur Essensgeld bezahlen …
    Ich bin auch der Meinung, dass die Rente grundsätzlich reformiert gehört. Neben den im Erwerbsleben erworbenen Punkten, muss jeder, der eine Rente will, rechnerisch ein Kind groß ziehen (das dann für seine Rente aufkommt). D.h. die Kinderzahl muss in die Rentenberechnung miteinfließen. Wer ein Kind hat, kann dann bspw. Punkte wie bisher bekommen, wer zwei hat, müsste entsprechend mehr Punkte bekommen (also eigentlich doppelt) und wer keines hat, nur die Hälfte. Denn die Kinderlosen sorgen ja nicht dafür, dass künftige Rentenzahler nachwachsen. Im Gegenteil, wenn sie verheiratet sind, profitieren sie sogar noch vom Splitting. Das ist wirklich ein Unding.
    Und was die vielbeschworene „Entlastung“ von Müttern (nicht nur allein Erziehenden) angeht, müssen Sie unbedingt niederschwellige Hilfen anbieten. Wenn Sie als Mutter wirklich einmal krank sind und ausfallen, müssen Sie unendliche Formulare ausfüllen, Arztbestätigungen einreichen, womöglich noch ein medizinisches Gutachten abwarten, bevor sie auch nur für ein paar Stunden eine Woche lang eine Unterstützung für den Haushalt und die Kinder bekommen. Das können Sie gar nicht ausfüllen und erfüllen, wenn sie richtig krank sind. Und wenn Sie es doch einmal irgendwie schaffen, gibt es bei den Betreuungsdiensten kein Personal (Grippewelle oder chronische Unterbesetzung).
    Und genau deshalb sind 68% der Allein Erziehenden arm. Weil sie einfach nicht genug schaffen mit vierfach-Arbeit und Steuerbelastung. Und sie sind öfter chronisch krank, weil sie nie Pause haben. Und sie sterben früher, was ja vielleicht ganz gut ist, da sie eh kaum Rente bekommen (Ironie off).
    Der Ausbau der KiTas ist nur ein kleiner Tropfen. ich würde mir wünschen, Sie werfen einen Blick auf die anderen Fässer.
    Herzlichen Dank schon im Voraus!
    Suzan Hahnemann

  5. Mir hat gerade eine Leserin geschrieben, dass die Kommentarfunktion geschlossen ist unter diesem Beitrag. Nun muss ich dies selbst ausprobieren.

  6. Ich hätte ja gern bei Ihnen auf Facebook direkt kommentiert – leider geht das nicht, weil die Kommentar-Funktion ausgeschaltet ist. Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken. Bezüglich Alleinerziehender in der Politik kört man immer immer wieder: die Kinder. Die Kinder dürfen bildungspolitisch nicht benachteiligt sein, man muss was gegen Kinderarmut tun, das Wechselmodel für Kinder – alles gut und richtig. Aber was bitte ist mit den Müttern ? (Sorry liebe alleinerziehende Väter, ich rede hier für MICH) Was ist mit deren Armut ? Deren Rente ? Deren Gesundheit ? Deren Freizeit ? Vom Staat unfreiwillig versklavt. Einer muss ich kümmern.Gesundheit ? Öhm, ja. Aber: wer von uns hat nicht schon krank mit Infekt, nach einer OP oder einem Bandscheibenvorfall für die Kinder „gearbeitet“ ? Wer hat nicht schon mit 39 Fieber trotzdem die Wäsche gewaschen, das Mittagessen gekocht und sich gekümmert ? Wer hat nicht das Problem, das bei einer Vollzeitbeschäftigung und Kindern und das alleine KEINE Zeit mehr für irgendeine Form von Privatleben vorhanden ist ? Wer ist nicht schon zig Tage, Wochen, Monate vollkommen ausgelaugt abends ins Bett gefallen und konnte nicht mehr ? Wer von uns hat eine gesicherte Rente, die später im Alter zum Leben reicht ? Die Liste ist lang. Wertschätzung und Gleichberechtigung und die Grundwerte unserer Gesellschaft würde für mich da anfangen, wo man wenigstens einen Dialog sucht und sich was ändert…………..
    Die Unterhaltsrechtsreform von Frau von der Leyen eine der unwürdigsten Reformen überhaupt. Ich hätte Vollzeit arbeiten gehen müssen – ein wunderbares Druckmittel schon in der Scheidung,mich als Mutter gefügig zu machen. In MEINER Realität hätte dies damals bedeutet: mein Sohn, damals 4, dessen Großvater gerade gestorben war, dessen Vater und die Großeltern väterlicherseits den Kontakt abgebrochen haben und dessen komplette Familie weggebrochen ist: hätte auch noch den kompletten Tag ohne Mutter verbringen und fremdbetreut werden müssen. Mein Ex-Mann hatte damals zwar Zeit für etliche Liebschaften – aber nicht für sein Kind. Rechtlich: hat man hier als Mutter KEINE Handhabe. Väter haben ein Umgangsrecht – aber keine Pflicht. Unser Sohn war ein Wunschkind – ab der Trennung war er plötzlich nur noch Mittel zum Zweck. Mittel zum Zweck um mich zu zermürben, um mich beruflich unter Druck zu setzen – und all das hat diese Reform ermöglicht. Zum Glück brauchte Frau von der Leyen da nie reinzuschnuppern. So wie die meisten Politiker und Politikerinnen, die Entscheidungen treffen, von denen Sie selbst in der Regel nicht betroffen sind und die sich damit: auch nicht einfühlen können. Ich habe seit 12 Jahren: kein Privatleben. Ich lebe gesundheitlich völlig über meine Grenzen,bin jetzt 5 Wochen mit Erkältung und obwohl es mir wirklich übel ging: im Einsatz. Ich habe den Luxus, kein Hartz4 zu beziehen, weil ich den Mut hatte, mich selbstständig zu machen. Einen angestellten Job in entsprechender Qualifikation die ich mitgebracht hätte: KEINE CHANCE. Zu alt – mit Anfang 40, zu alleinerziehend, keinen Rückhalt durch den anderen Elternteil – ein Job an der Kasse, Callcenter und Co wäre möglich gewesen – mit dem Ergebnis: ich hätte Vollzeit gearbeitet und Frau von der Leyen genüge getan – und aufstocken müssen. Die gesamte Politik verarscht uns – und zwar in erster Linie uns als Frauen und Mütter. Und außer viel Blabla und vorgebliches Sich-Kümmern-Wollen: passiert nichts. Um die Kinder wird ein großes Thema gemacht. Um die Mütter, die zu großen Teilen noch nicht einmal einen eigenen Raum haben und in Wohnzimmern schlafen auf einer Schlafcouch und als erwachsene Menschen noch nicht einmal eine Rückzugsmöglichkeit haben: die werden schöööön unter den Tisch fallen gelassen. Ich freu mich schon aufs Flaschensammeln im Alter – wir werden wahrscheinlich Party machen können – denn ein ist sicher: ich gehe in die Altersarmut. Aber das wiederrum: schert niemanden. Schon mal gar nicht irgendeinen Politiker – oder eine Politikerin.

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