Katharina Schulze

im bayerischen Landtag

Runder Tisch im Oberallgäu

Mehr Geld für Frauenhäuser!

6. September 2017 in Pressemitteilungen, Unterwegs | Keine Kommentare

Häusliche Gewalt gegen Frauen ist immer noch ein großes Problem und erfordert schnelles Handeln und sichere Orte. Im Frauenhaus in Kempten finden viele dieser Frauen und Mütter mit ihren Kindern aus Kempten und dem Oberallgäu einen Platz für die erste Akutsituation. Leider ist die Nachfrage nach Plätzen im Frauenhaus und sicheren Wohnungen höher als das, was das Frauenhaus Kempten anbieten kann, erklärte mir Roswitha Ziegerer letzte Woche.

Auf Einladung von meinem Kollegen Thomas Gehring trafen wir uns letzte Woche in seinem Bürgerbüro zum Tischgespräch über die Situation im Oberallgäu. Diese ist nicht ganz einfach: “Leider müssen wir Frauen oft sagen, dass wir sie nicht aufnehmen können. Entweder weil diese nicht die Voraussetzungen für unser Konzept der Selbstversorgung erfüllen oder weil wir tatsächlich keinen freien Platz haben. Bei Anfragen zur Unterbringung in unserem Haus, haben Frauen aus der Umgebung immer Vorrang“, so die hauptamtliche Mitarbeiterin Roswitha Ziegerer. Für Frauen aus dem Einzugsgebiet werde nach Möglichkeit immer versucht, alternative Lösungen zu finden”.

Schwieriger wird die Suche nach geeignetem Wohnraum für die Frauen mit ihren Kindern für die Zeit nach ihrem Aufenthalt im Frauenhaus. „Auf dem freien Wohnungsmarkt in Kempten und dem Oberallgäu ist das geradezu unmöglich“, so Theresia Wildegger, die Vorsitzende des Vereins Frauen-helfen-Frauen. „Wir finden fast nur Wohnungen über unsere guten Beziehungen mit den sozialen Wohnungsunternehmen im Allgäu. Oft dauere die Wohnungssuche so entsprechend lang und verlängert in unnötiger Weise auch den Aufenthalt im Frauenhaus.“

Frauen helfen Frauen

Das Frauenhaus in Kempten wurde bereits 1983 von engagierten Frauen gegründet, die zum Teil heute noch aktiv tätig sind. „Es waren schwierige Zeiten damals. So gab es Vorstellungen, dass man zunächst prüfte, ob nicht womöglich böswilliges Verlassen vorliegen würde“, so Roswitha Ziegerer, die hauptamtliche Mitarbeiterin. Erste Finanzierungsvorlagen hatten für eine Aufnahme im Frauenhaus sogar die Verpflichtung einer Eheberatung vorgesehen.

„Wir haben damals ganz bescheiden mit zwei Schlafzimmern für die Frauen mit ihren Kindern angefangen. Heute haben wir fünf Schlafzimmer und betreuen mit 1,2 hauptamtlichen Kräften die Frauen im Haus, für die Begleitung Ehemaliger und für die externen Beratungen.“  Die Vorsitzende des Vereins Frauen-helfen-Frauen, Theresia Wildegger erläutert: „Unser Verein ist der Träger des autonomen Kemptener Frauenhauses und stemmt in ehrenamtlichem Engagement die 24-Stunden-Rufbereitschaft, Renovierungsarbeiten, Hauswirtschaft und Verwaltungsaufgaben, was nicht auf Dauer zu bewältigen sein wird.“

Was sich ändern muss

Die ehrenamtliche Leistung beeindruckte mich sehr. Dennoch müsse sich der Freistaat deutlich stärker an den Kosten beteiligen. Ich fordere zusammen mit meinem Fraktionskollegen, Thomas Gehring und Ulli Leiner: „Ein klares Zeichen für die betroffenen Frauen und Kinder im Nachtragshaushalt 2018 des Bayerischen Landtages. Dafür haben wir ein Antragspaket für die bessere und nachhaltige finanzielle Ausstattung von Frauenberatungsstellen und Frauenhäusern vorgelegt.“

Nicht zuletzt dürfe der Freistaat die Kommunen mit diesen Aufgaben nicht alleine lassen, ergänzte die grüne Stadträtin Erna-Kathrein Groll. „Es kann nicht sein, dass Bayern lediglich einen geringen Prozentsatz der Personalkosten übernehme und den Rest der Kosten den Kommunen und Ehrenamtlichen aufbürdet.“

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