Katharina Schulze

Fraktionsvorsitzende

Besuch der Landtagsgrünen im Institut für Zeitgeschichte

Aufarbeitung der NS-Vergangenheit als gemeinsames Ziel

25. März 2014 in Aktivitäten, Aktuelles, Gegen Rechts, Unterwegs | Keine Kommentare

Die Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol, Sepp Dürr und Katharina Schulze beim IfZ-Besuch

Die Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol, Sepp Dürr und Katharina Schulze beim IfZ-Besuch

Seit vielen Jahren setzen wir Landtagsgrünen uns für eine lückenlose Aufklärung und Aufarbeitung der NS-Geschichte ein. Dieses Ziel teilen wir mit dem Institut für Zeitgeschichte (IfZ). Daher hat „mein“ Fraktionsarbeitskreis „Demokratie“ das IfZ besucht. 

Die Arbeitsebene unserer Fraktion

Die Grüne Landtagsfraktion arbeitet in drei Arbeitskreisen: es gibt den Arbeitskreis I „Gesellschaft“ (u.a. Gesundheit, Integration, Gleichstellung, Bildung, Hochschule, Soziales), den Arbeitskreis II „Ökologie & Ökonomie“ (u.a. Energie, Klima, Haushalt, Finanzen, Öffentlicher Dienst, Verbraucherfragen, Tierschutz, Ernährung, Gentechnik, Umweltschutz, Mobilität) sowie „meinen“ Arbeitskreis III „Demokratie“ (u.a. Kultur, Religion, Medien, Netzpolitik, Inneres, Rechtspolitik). In den Arbeitskreisen sind die jeweiligen FachpolitikerInnen, FachreferentInnen und persönlichen MitarbeiterInnen vertreten.

Direktor des IfZ begrüßt und erklärt Historie des Hauses

Der stellvertretende Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, Magnus Brechken, hat uns dort mit seinen MitarbeiterInnen in Empfang genommen und nach einer kurzen Begrüßung die Historie des IfZ aufgezeigt: nach drei Gründungsversuchen nach dem zweiten Weltkrieg gilt das Jahr 1949 als Gründungsdatum, wobei erst ab 1951 die Finanzierung sicher war. Das Institut nannte sich damals noch „Institut zur Erforschung der nationalsozialistischen Zeit“ und galt bewusst als (organisatorisch und personell) distanziert zu den Universitäten. In den 1950er und 1960er Jahren erstellten die Mitarbeiter des Instituts vorrangig Gutachten für Behörden und Ministerien. Anfang der 50er Jahre bekam das Institut die Dokumente der Nürnberger Prozesse und beschäftigte sich primär mit der Befragung von ZeugInnen. In den 1970er Jahren wurde beispielsweise durch das „Bayernprojekt“ Verhaltensforschung der Gesellschaft zur NS-Zeit betrieben – Herr Brechtken bezeichnete dies als „Pionierarbeit der Zeitgeschichtsforschung“. Nach dem Ende des Kalten Krieges erweiterte sich der Forschungsfokus auf Dokumente aus der ehemaligen DDR und Osteuropa.

Seit 15 Jahren ist das Institut für die wissenschaftliche Dokumentationsstelle am Obersalzberg zuständig, welches nach einem massiven Besucheransturm (jährlich 160.000 statt geplant 30.000) nun erweitert und neukonzipiert werden soll. Seit 2013 ist das Zentrum für Holocaust-Studien im Haus angesiedelt, das intensiv mit dem US Memorial Museum  und Yad Vashem  in Israel zusammenarbeitet. Für ForscherInnen bietet das Institut Zugang zu seiner Fachbibliothek und seinem Archiv, das neuerdings einen weiteren Schwerpunkt auf Neue Soziale Bewegungen legt.

Obersalzberg und Zusammenarbeit mit Kommunen bestimmen die Diskussion

Im Gespräch wurden auf Anfrage von Sepp Dürr insbesondere der Zeitplan der Neukonzipierung der Dokumentationsstelle am Obersalzberg und die Problematik der RundgangsleiterInnen diskutiert. Herr Brechtken berichtete von der arbeitsrechtlichen Problematik – ob diese freiberuflichen MitarbeiterInnen als feste oder freie Mitarbeiter verstanden werden. Nach einem Gerichtsurteil Ende letzten Jahres sah das Institut sich gezwungen die Verträge zunächst zu beenden. Jürgen Mistol konnte in Erfahrung bringen, dass das IfZ auch Kommunen bei Fragen der Gedenkkultur berät, wenn auch nur auf Anfrage. Zur Sprache kam auch die geplante Studie über den Umgang bayerischer Ministerien und Behörden mit ihrer NS-Vergangenheit, die das IfZ mit betreut.

Editionsprojekt „Mein Kampf“

Herr Vordermayer gab uns anschließend einen Einblick in die Arbeiten zur Edition von Hitlers „Mein Kampf“. Das Institut für Zeitgeschichte arbeitet intensiv an einer kommentierten Fassung, die im Herbst 2015 nach Ablauf der Urheberrechte erscheinen soll. Das Werk, das immerhin 12,4 Millionen Mal zwischen 1925 und 1944 erschien, ist bereits jetzt im Interesse der Öffentlichkeit und soll in der IfZ-Version wissenschaftlich aufgearbeitet kommentiert werden. Zielgruppen der kommentierten Fassung sind LehrerInnen und SchülerInnen sowie StudentInnen und ForscherInnen.

Insbesondere dieses Projekt hat in den letzten Wochen und Monaten immer wieder für Diskussionen gesorgt – nicht zuletzt, seitdem sich die Staatsregierung über einen einstimmigen Beschluss des Landtags hinweggesetzt und die Unterstützung der Edition eingestellt hat. Wie kurzsichtig diese Entscheidung ist, zeigten die Ausführungen von PD Dr. Magnus Brechtken (Stellvertretender Direktor) und Thomas Vordermayer (Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Editionsprojekt). In ihren Präsentationen betonten sie die große Bedeutung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Grundlagen der NS-Ideologie und deren Entmystifizierung. Ziel sei es deshalb, die Edition spätestens Ende 2015 vorzulegen, wenn der Urheberrechtsschutz für „Mein Kampf“ erlischt. Nähere Informationen gibt es hier.

Zentrum für Holocaust-Studien

Um die Erforschung der NS-Verbrechen – und vor allem des Holocaust – weiter zu stärken und die Vernetzung in diesem Bereich auszubauen, hat das IfZ im Sommer 2013 zudem ein Zentrum für Holocaust-Studien eingerichtet. PD Dr. Frank Bajohr, der Leiter des Zentrums, sowie seine Stellvertreterin, Dr. Andrea Löw, stellten die Ziele und (Zukunfts-) Pläne der noch jungen Institution vor. Das Projekt fußt auf drei Säulen: Forschungsinfrastruktur (nach dem Vorbild Yad Vashem und dem US Memorial; Vergabe von Fellowship und Kooperation über das EHRI-Projekt), Forschung selbst und Lehre beziehungsweise Öffentlichkeitsarbeit (Summer Schools an der LMU, Fortbildungen und Bereitstellung wissenschaftlicher Expertise). Derzeit befinde sich das Zentrum in einer Vorlaufphase, man erhoffe sich jedoch eine dauerhafte Verankerung und spätestens ab 2017 eine verlässliche Finanzierung durch Bund und Land. Sepp Dürr sagte dem IfZ für diesen Plan bereits die Unterstützung der Landtagsgrünen zu: „Wir werden uns auf jeden Fall dafür einsetzen, dass dieses wichtige, überfällige und vielversprechende Projekt erfolgreich ist.“

Der Arbeitskreis III „Demokratie“ der grünen Landtagsfraktion bedankt sich herzlich für die Einblicke in die interessante und wichtige Arbeit des Instituts für Zeitgeschichte!

 

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