Bezahlbar leben. Vereinbar arbeiten. Gemeinsam leben.
Familienfreundlichkeit entscheidet sich nicht nur in großen Gesetzen - sondern im Alltag. Beim Einkauf im Supermarkt. Auf dem Spielplatz. Im Arbeitsalltag. In unseren Städten und Gemeinden.
Gerade junge Familien spüren derzeit den Druck besonders stark: steigende Preise, hohe Wohnkosten, Zeitstress zwischen Erwerbs- und Care-Arbeit. Gleichzeitig wird die Debatte um sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“ immer lauter - oft mit dem Vorwurf, Familien würden sich aus dem Arbeitsmarkt zurückziehen.
Wir glauben: Es ist die falsche Frage, warum Eltern weniger arbeiten.
Die richtige Frage lautet: Warum ist unser Alltag immer noch nicht familienfreundlich organisiert?
Wer Familien stärkt, stärkt auch den Arbeitsmarkt.
Wer Familien entlastet, ermöglicht Erwerbsarbeit.
Deshalb setzen wir auf konkrete Verbesserungen im Alltag - für mehr Bezahlbarkeit, bessere Infrastruktur und moderne Arbeitskultur.
Familienpolitik neu denken
Familienfreundlichkeit ist kein Nischenthema. Sie entscheidet über Fachkräfte, wirtschaftliche Teilhabe, Gleichstellung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ein modernes Land organisiert seinen Alltag so, dass Familien gut leben und arbeiten können. Denn starke Familien sind keine private Angelegenheit - sie sind eine Investition in die Zukunft unseres Landes.
1. Familien entlasten: Alltägliches bezahlbar machen
Familien tragen viele Kosten, die keine Luxusausgaben sind - sondern Grundbedürfnisse. Windeln und zahlreiche Babyprodukte gehören dazu. Trotzdem werden sie derzeit mit dem vollen Mehrwertsteuersatz besteuert. Das ist nicht nachvollziehbar.
Wir wollen deshalb:
Windeln und weitere Babyprodukte des täglichen Bedarfs in den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 % aufnehmen. Es handelt sich um Grundprodukte für Familien mit kleinen Kindern. Eine steuerliche Entlastung würde junge Familien unmittelbar spürbar unterstützen – Monat für Monat.
2. Familienfreundliche Infrastruktur im Alltag
Viele Städte sind noch immer nicht auf den Alltag mit kleinen Kindern ausgelegt. Wer unterwegs wickeln muss, findet oft keinen geeigneten Ort. Spielplätze sind häufig reine Kinderorte, statt Treffpunkte für ganze Nachbarschaften. Familienfreundlichkeit bedeutet auch: Den Alltag praktisch mitdenken.
Wir wollen deshalb:
Wickelmöglichkeiten im öffentlichen Raum ausbauen
• Wickelmöglichkeiten auf Spielplätzen
• Wickeltische standardmäßig in allen öffentlichen Toiletten
• verpflichtend auch in öffentlichen Gebäuden und Versammlungsstätten
Das ist keine Luxusforderung - sondern eine Selbstverständlichkeit.
Spielplätze neu denken: Orte für Gemeinschaft
Spielplätze sind heute oft stark getrennte Räume: Kinder hier, Erwachsene dort. Dabei können sie viel mehr sein. Wir wollen Spielplätze als soziale Treffpunkte entwickeln.
Dazu gehören zum Beispiel:
• umzäunte und schattige Spielbereiche
• Sitzmöglichkeiten und Aufenthaltsorte für Eltern, Großeltern und ihre Begleitungen
• kleine Kioske oder Cafés in der Nähe
• ergänzende Angebote wie Skaterflächen, Schachfelder oder Bewegungsangebote
Dadurch entstehen Orte, an denen sich Generationen begegnen - statt nebeneinander zu leben. Lebendige Nachbarschaften entstehen dort, wo Menschen mit und ohne Kinder gerne zusammenkommen.
3. Vereinbarkeit neu organisieren
Viele Eltern arbeiten nicht weniger, weil sie weniger leisten wollen, sondern weil Arbeitszeiten und Familienrealität oft nicht zusammenpassen. Deshalb brauchen wir einen Kulturwandel in der Arbeitswelt. Familienfreundliche Arbeitszeiten müssen zum Standard werden.
Wir wollen deshalb:
• mehr Optionen auf flexible Arbeitszeiten
• mehr Homeoffice-Möglichkeiten
• familiengerechte Schichtmodelle
• eine neue Meetingkultur (keine Termine nach 17 Uhr)
Der öffentliche Dienst kann hier Vorbild sein. Wenn Arbeit familienfreundlicher organisiert wird, profitieren Mütter und Väter - und gleichzeitig gewinnen Unternehmen Fachkräfte zurück.
4.Neue Orte für Vereinbarkeit schaffen
Arbeit, Kinderbetreuung und Begegnung müssen sich nicht gegenseitig ausschließen. In vielen Ländern entstehen neue Modelle, die genau das verbinden. Wir wollen familienfreundliche Sharing-Hubs fördern, wie es sie bereits in Köln oder Berlin schon gibt.
Orte, an denen Co-Working, flexible Kinderbetreuung, Café und Begegnungsräume sowie Spielmöglichkeiten für Kinder zusammenkommen.
Das ist besonders attraktiv für Selbstständige, Gründerinnen und Gründer, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Eltern mit flexiblen Arbeitsmodellen. Solche Orte stärken lokale Netzwerke und machen Vereinbarkeit konkret erlebbar.
5. Verlässliche Ferienbetreuung für Grundschulkinder
Schulferien sind für Kinder eine besondere Zeit. Für viele Eltern werden sie jedoch jedes Jahr zur organisatorischen Herausforderung. Denn während Schulen rund 13 Wochen im Jahr schließen, haben die meisten Beschäftigten deutlich weniger Urlaubstage.
Wir wollen deshalb eine verlässliche Ferienbetreuung für Grundschulkinder. Kommunen sollen gemeinsam mit Schulen, Horten und freien Trägern während der Schulferien ein Betreuungsangebot sicherstellen. Die Teilnahme bleibt freiwillig – das Angebot jedoch verbindlich.
Ferienbetreuung bedeutet dabei nicht Unterricht, sondern Freizeit, Spiel und gemeinsame Aktivitäten. So werden Ferien für Kinder zu einer guten Zeit und Eltern können Familie und Beruf besser vereinbaren.
Mehr für zwei – wir wollen ein Partner*innen-Elterngeld
Das „Partner*innen-Elterngeld“ setzt gezielt an den finanziellen Fehlanreizen des bisherigen Systems an. Weil meist der weniger verdienende Elternteil – häufig die Frau – länger aussteigt, verfestigen sich Einkommens- und Karriereunterschiede. Immer mehr Eltern wünschen sich, die Elternzeit mit ihren Kindern gleichmäßig aufzuteilen. Das entspricht der heutigen Lebenswelt. Und es stärkt die Rolle beider Eltern für das Kind und kann zugleich die Erwerbsbeteiligung sowie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhöhen. Zusätzlich muss das Elterngeld insgesamt erhöht werden.
Kernpunkte:
- Bis zu 80 % Elterngeld bei annähernd gleich verteilter Elternzeit statt aktuell in der Regel 65 %
- Anreiz statt Zwang: bestehende Modelle bleiben erhalten
- Mehr Gleichstellung: fairere Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit
- Stärkung von Familien: mehr Zeit beider Eltern mit dem Kind
- Wirtschaftlicher Effekt: höhere Erwerbsbeteiligung, mehr Wachstum