Eine Schriftliche Anfrage deckt auf: Die Staatsregierung ist bei dem Thema völlig blank. Und sieht auch keinen Handlungsbedarf. Katharina Schulze: „Man möchte sie einfach nur wachrütteln und ins Ohr rufen: Prävention ist möglich!“
Brütende Hitze in Klassenzimmern und Betreuungseinrichtungen, Temperaturen teils weit über 30 Grad: Wie sollen Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte unter solchen Bedingungen noch lernen und arbeiten können? Wie Prüfungen bewältigen? Oder gar Schulsportfeste überstehen? Stehen Gesundheit und Arbeitsschutz auf dem Prüfstand? „Markus Söder und seine Staatsregierung haben absolut keine Ahnung, wie die Lage an den Schulen und Kitas in Bayern ist“, sagt Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen, alarmiert. Dies zeigen die aktuellen Antworten der Staatsregierung auf eine Schriftliche Anfrage der Grünen.
Demnach wissen CSU und Freie Wähler weder, welche Einschränkungen im Unterrichts- und Betreuungsbetrieb es wegen Hitze gab und gibt, noch, wann es wo zu welchen hohen Innenraumtemperaturen kam. Auch zu außenliegendem Sonnenschutz oder anderen baulichen Hitzeschutzmaßnahmen sowie zu Klimaanlagen oder beschatteten Außenflächen hat die Staatsregierung keinerlei Kenntnisse, wie die Anfrage der Grünen zeigt.
Katharina Schulze: „Hitzeschutz in Schulen und Kitas? Das ist eine Katastrophe in Bayern. Die meisten Gebäude sind nicht auf die Herausforderungen durch große Hitze vorbereitet, weil ihnen die Möglichkeiten fehlen, Räume kühl zu halten. Stattdessen ist es heiß und stickig. Aber die Staatsregierung ignoriert es. Man möchte sie einfach nur wachrütteln und ins Ohr rufen: Prävention ist möglich!”
Bereits in den vergangenen Jahren drängten die Landtags-Grünen die CSU und Freie Wähler, dringend mehr in den Hitzeschutz der Menschen in Bayern zu investieren. „Wir haben gezielte Vorschläge in den Landtag eingebracht. Eine Lösung sind zum Beispiel Klimaanlagen, Verschattung und Begrünung. Das alles liegt schon längst auf dem Tisch, die Staatsregierung muss es nur umsetzen!”, so Katharina Schulze.
Die Landtags-Grünen fordern die Staatsregierung zudem auf, ab sofort die sommerliche Hitzebelastung sowie die Hitzeschutzausstattung in Schulen und Kitas exakt zu erfassen, um dann vor Ort passgenaue Maßnahmen einleiten zu können. Die Staatsregierung soll außerdem Vorgaben zum Umgang mit akuter Hitze und zur Anpassung des Betreuungsalltags machen – vor allem zum Schutz besonders vulnerabler Kinder – sowie verbindliche Regelungen für Neubau und Sanierung von Schulen und Kitas hinsichtlich hitzeresilienter Bauweise und Klimaanlagen treffen.
Dazu sagt Patrick Friedl, Sprecher für Klimaanpassung der Landtags-Grünen: „Die Staatsregierung stiehlt sich aus der Verantwortung, wenn sie darauf verweist, dass jede Schule anders sei und deshalb die Kommunen sich um den Hitzeschutz kümmern müssten. Denn die Herausforderungen sind in den meisten Städten und Gemeinden sehr ähnlich: Wenn Kinder und Jugendliche bei über 30 Grad in überhitzten Klassenzimmern sitzen, Kreislaufprobleme bekommen und sich kaum noch konzentrieren können, dann ist das kein lokales Einzelproblem. Die Betreuungs- und Lehrkräfte leisten großartige Arbeit, aber auch sie stoßen bei diesen Bedingungen zunehmend an ihre Grenzen. Es geht um den Schutz der Gesundheit von hunderttausenden Menschen in ganz Bayern." Die Staatsregierung sei in der Pflicht, Kinder und Jugendlichen zu schützen sowie Lehrkräfte und Betreuungspersonal zu unterstützen. „Wir brauchen einen Hitzeplan, wirksame Strukturen, klare Vorgaben und genügend Geld und Personal, um Hitzeschutz endlich in Bayerns Schulen und Kitas zu bringen. Hitze ist eine wachsende Gefahr für unsere Gesellschaft – und dieser Sommer ist erst ein Vorgeschmack auf künftige Hitzewellen”, so Patrick Friedl.