Katharina Schulze

Fraktionsvorsitzende

Schriftliche Anfrage

Frauenfeindliche Incel-Community bekämpfen

7. Mai 2019 in Innenpolitik | 1 Kommentar

Im Internet formiert sich seit einigen Jahren eine Online-Community mit dem Namen „Incel“. In dieser Gruppe tauschen sich vorwiegend weiße, heterosexuelle Männer über ihre frauenverachtenden Ideologien und Gewaltphantasien aus. Ich habe eine Schriftliche Anfrage (PDF) an das Innenministerium gerichtet, um zu erfahren, ob es sogenannte „Incels“ auch in Bayern gibt und wie sich diese online vernetzen.

Dem Innenministerium liegen laut eigener Aussage „keine Erkenntnisse“ über die Organisation und Aktivitäten der Incel-Bewegung vor. Darüber bin ich empört!

Es ist allerhöchste Zeit, sich mit toxischer Männlichkeit stärker zu beschäftigen. Es ist erschreckend, dass die Staatsregierung keinerlei Erkenntnisse über diese zutiefst menschenverachtende Bewegung hat. Das muss sich ändern! – Katharina Schulze

In der Incel-Bewegung (aus dem Englischen „involuntary celibacy“, zu Deutsch „unfreiwilliges Zölibat“) bestärken sich sexuell frustrierte Männer in ihrem Hass auf Frauen. Ihre Gewaltphantasien verbreiten sie nicht nur online: So wurden von der Community entwickelte Ideologien bereits mehrfach mit Straftaten in Verbindung gebracht.

Im kalifornischen Isla Vista erschoss im Mai 2014 ein 22-Jähriger 6 Menschen und verletzte 13 weitere Personen. In seinem Manifest sprach er von einem „Krieg gegen Frauen“. Im April 2018 tötete ein 25-jähriger Student mit einem Lieferwagen in Toronto 10 Menschen. Als mögliches Tatmotiv des Täters gilt ebenso Frauenhass.

In Nürnberg hat im Dezember 2018 ein Mann mit einem Küchenmesser auf drei Frauen eingestochen. Auf seiner Facebook-Seite fanden sich frauenfeindliche Beiträge mit Vergewaltigungsszenen. Ich finde es schwach, dass in den polizeilichen Ermittlungen das Motiv Frauenhass bisher keine Rolle spielte.

Wir brauchen ein Maßnahmenpaket gegen Frauenfeindlichkeit

Ich fordere ein umfangreiches Maßnahmenpaket gegen Frauenfeindlichkeit. Frauenfeindlichkeit muss als Kategorie in die polizeiliche Kriminalstatistik aufgenommen werden, um Misogynie sichtbar zu machen und Strategien zur Bekämpfung zu entwickeln. – Katharina Schulze

Wir brauchen ein Präventionsprogramm zur Eindämmung und Verhinderung von frauenfeindlich motivierter Kriminalität. Wir müssen Verbindungen und Strukturen von Frauenfeinden – auch in der rechtsextremen – untersuchen und aufdecken. Außerdem müssen die Sicherheitsbehörden dringend einen Blick auf die Incel-Bewegung in Bayern legen.

Und natürlich brauchen Frauen und Mädchen mehr Schutz – dafür müssen Frauenhäuser, Frauennotrufe, Beratungsstellen besser ausgestattet werden. Mir ist es aber wichtig, dass man bei dem Thema Frauenhass auch endlich mal die (potentiellen) Täter adressiert.

Weitere Details können Sie meiner Schriftlichen Anfrage (PDF) entnehmen.

1 Kommentar

  1. Es ist sinnvoll nicht nur Frauen und Kinder im Blick zu haben , sondern auch uns Männer.

    Das Ansprechen von toxischer Männlichkeit ist überfällig. Doch das damit gemeint ist, ist sowohl für Männer und Frauen zunächst schwer zu verstehen.

    Ich arbeite seit fast 20!Jahren in der Männerseelsorge des Augsburger Bistums. Uns ist es ein grosses Anliegen Männer auf dem Weg des Rollenwandels zu begleiten. Die alten Rollenbilder, die immer noch toxisch wirken, sind Gift für die Seele des Mannes.

    Liebe Katharina Schulze, vielen Dank für das Aufgreifen des Themas.
    Was wir brauchen sind mehr Angebote und Initiativen, die Männer unterstützen, damit sie sich zu lebendigen, weisen , zärtlichen und verantwortungsbewussten Männern weiterentwickeln können.

    Bin bereit bei einem Arbeitskreis zu Männern dabei zu sein.
    Derzeit mache ich eine Ausbildung zum Gewaltberater. Das heisst die Arbeit mit gewalttätigen Männern. Täterarbeit!!!

    Nehmt endlich auch die Männer in den Blick.
    Nicht nur ein- und wegsperren und als Monster titulieren oder Männerhass zu entwickeln.

    Ich bin bereit!

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